6 Regeln für eine motivierende Rede im Ehrenamt

6 Regeln für eine motivierende Rede im Ehrenamt

Auch im Ehrenamt gibt es manchmal Momente, in denen eine motivierende Rede ansteht. Die Ursachen können sehr verschieden sein:

  • Eine neue Führungskraft.
  • Merklich abnehmende Freiwilligenzahlen.
  • Stark gesunkene Spendenbeiträge.
  • Zusätzliche Einschränkungen bedingt durch eine Pandemie.
  • Du darfst die Liste beliebig weiterführen.

Im Folgenden gebe ich dir einen Überblick, was eine motivierende Rede ist, wie du sie vorbereitest, wie sie ablaufen soll und wie wichtig dein Redeabschluss ist.

Eine motivierende Rede vor dem Team ermöglicht es dir als Führungskraft:

  • einen Rahmen zu vermitteln,
  • klarzustellen,
  • Sinn zu geben,
  • zu gratulieren,
  • die geleistete Arbeit anzuerkennen
  • oder jedes Teammitglied zu mobilisieren, sich starkzumachen und somit für die Motivation der Mitarbeiter zu sorgen.

Eine Team-Motivationsrede muss gut vorbereitet sein. Eine gelungene Rede ist für ein Team eine optimale Quelle des Ansporns.

Andersrum könnte eine gescheiterte Rede Zweifel in den Köpfen der Freiwilligen wecken und sie demotivieren. Das Improvisieren einer Rede kann gut funktionieren, um ein Team täglich zu ermutigen. Bei einer motivierenden Rede musst du jedoch wachsam sein. Du darfst nicht in Selbstüberschätzung oder in Leichtfertigkeit verfallen.

Ich lade dich ein, bei deiner nächsten motivierenden Rede vor deinem Team auf die folgenden 6 Punkte zu achten.

Motivieren ist: Den ersten Schubs geben auf der Schaukel.

Hermann Lahm

1. Eine motivierende Rede soll eine Vision vermitteln

Damit du deine Ehrenamtlichen motivierst, musst du zunächst die Wahrnehmung von Unsicherheit, Chaos und Mehrdeutigkeit mindern. Deine Rolle als Führungskraft verlangt daher von dir, eine „Vision“ vorzugeben. Allerdings braucht es kein grandioses Projekt, um eine Vision zu haben, sondern um sich die mittelfristige Zukunft (2 bis 5 Jahre) deines gemeinnützigen Vereins vorzustellen.

Verwende eine konkrete und bildliche Sprache. Versuch, mit deinen Worten die Vision in den Köpfen deiner Teammitglieder festzusetzen. So können sie sich bildlich daran festhalten. Deine Vision wird „real“, „konkret“ und „greifbar“.

Sag nicht: „In will in zwei Jahren 50 % mehr Freiwillige im Team haben“.

Sondern: „In zwei Jahren möchte ich, dass dieser Saal bis auf den letzten Platz voll besetzt ist mit Freiwilligen“.

Sag nicht: „Ich will die Spendeneinnahmen in drei Jahren verdoppelt haben.“

Sondern: „In zwei Jahren werden wir einen weiteren Posten geschaffen haben, den wir durch zusätzliche Spenden finanzieren.“

Lege neben der Vision auch die Zwischenziele auf dem Weg dahin fest. Genauso wie das Idealszenario „Wie“ diese Ziele erreicht werden sollten. Das ist sicherlich die mit Abstand schwierigste Aufgabe. Sie erfordert:

• die Erklärung und die Definition der Rollen und Aufgaben jeder Person,

• eine Übermittlung präziser Anweisungen,

• das Teilen der Erfolgsindikatoren, d. h. die Grundlage, auf der die Arbeit als gut, durchschnittlich oder schlecht beurteilt wird.

Am Ende ist eine Vision ohne die Fähigkeit, sie auszuführen, wahrscheinlich eine Halluzination.

Steve Case

2. Formuliere den Zweck

Du musst dir unbedingt die Zeit nehmen, den Zweck, den du mit deiner Rede erreichen willst, mitzuteilen:

  • Willst du dein Team motiviert halten?
  • Oder willst du gratulieren?
  • Eventuell ermutigen?
  • Sinn geben?
  • Neu ausrichten?
  • Vielleicht auch die Energie für ein bestimmtes Projekt anpassen oder mobilisieren?

Abhängig von dem Zweck kannst du dann eine maßgeschneiderte, motivierende Rede entwickeln. Diese soll die erwarteten Ergebnisse erzielen und gleichzeitig die Motivation der Teammitarbeiter sicherstellen.

Sobald du den Zweck definiert hast, wird er:

– konkrete Fakten hervorrufen, die veranschaulichen, was du sagen willst. Wenn du beispielsweise dem Team Anerkennung zukommen lassen willst, kannst du Motivationsquellen in Situationen erkennen, in denen sie gute Leistungen erbracht haben. Du kannst diese nutzen, um den Freiwilligen zu mehr Motivation zu verhelfen,

– dir ermöglichen Gefühle auszudrücken. Zum Beispiel deine Freude oder deinen Stolz, wenn du Anerkennung geben willst. Motivieren und mobilisieren oder aber auch dein Unverständnis zeigen, damit ihr wieder auf Kurs kommen wollt,

– Erklärungen oder Bedeutungen für das „Warum“ deiner Rede geben. Zum Beispiel, dass das, was dein Team gut gemacht hat, wesentlich für die Entwicklung des Vereins ist. Gehe dann ins Detail, um die Motivationen aller zu entwickeln,

– Schwung erzeugen, indem du sie aufforderst, das fortzusetzen, was sie gut gemacht haben, oder indem du korrigierst, was verbessert werden sollte, um ihnen zu helfen, ihre Ziele zu erreichen. Damit kannst du auch erreichen, den Schaffensdrang oder den Zusammenhalt zu steigern.

Nicht Sieg sollte der Zweck der Diskussion sein, sondern Gewinn.

Joseph Joubert

3. Sinn geben und veranschaulichen

Um deine Ehrenamtlichen empathisch zu motivieren, effizient zu sein und die Ziele während deiner Motivationsrede im Team zu erläutern, ist es wesentlich, sich verständlich auszudrücken. Dafür ist es wichtig, Sinn zu vermitteln. Die Idee ist daher, das „Warum“ in deine Worte zu integrieren, damit die Wirkung auf die Motivation real ist.

Warum möchtest du deinen Stolz auf die Arbeit deines Teams zum Ausdruck bringen? Weil du möchtest, dass sie Selbstvertrauen gewinnen, um dieses neue Projekt zu meistern.

Warum möchtest du dieses Teammitglied auf den freigewordenen Posten versetzen? Weil du denkst, dass ihr sonst zu viel Zeit und Energie verschwendet und euch damit aufreibt, ohne eigentlich in die richtige Richtung zu gehen?

Durch solche oder ähnliche Beispiele begreifen alle, dass du es jedem ermöglichst, besser zu verstehen, indem du mehr Details und Erklärungen gibst.

Du sollst der zu erreichenden Richtung, dem Weg dorthin, den zu verwendenden Mitteln oder allen Arten von Informationen, die verstanden werden müssen, um ein Team zu motivieren, Bedeutung geben.

Mit Anekdoten, Beispielen und sogar Humor, wenn du dich dazu in der Lage fühlst, hinterlässt du einen besseren Eindruck in den Köpfen jedes Mitarbeiters. Zusätzlich förderst du die Gruppendynamik.

Jeder Mensch liebt Geschichten. Storys aus der Praxis ermöglichen es dir, Wissen zu vermitteln, weil es leichter zu verstehen und aufzunehmen ist. Nutze deine Erfahrungen als Motivationsfaktor, um Überzeugungsarbeit zu leisten und die Motivationshebel zu stärken.

Der Sinn des Lebens ist das Tun, und der Mensch hat die Fähigkeit, seinem Tun einen Sinn zu geben.

Walter Wrana

4. Eine motivierende Rede soll viele positive Sätze beinhalten

Das menschliche Gehirn versteht keine Verneinung. Du musst also sehr vorsichtig sein, wie du deine Sätze formulierst. Hier ein Beispiel. Wenn ich dir sage, dass du nicht an einen roten Elefanten denken sollst, wirst du automatisch an einen roten Elefanten denken.

Hier musst du aufpassen, wenn du ein Team führst, das erfolgreich sein soll. Indem du Negationen verwendest, riskierst du, dein Team dazu zu bringen, das zu tun, was du nicht willst.

Wenn du beispielsweise den Mitarbeitern sagst, dass sie nicht zu spät kommen sollen, werden sie sich einbilden, dass sie zu spät kommen können. Also sag besser: Ich möchte, dass alle pünktlich erscheinen. Schwieriger ist es nicht. Du musst nur wachsam sein und gute Redepraktiken anwenden.

Während deiner Motivationsrede musst du deinem Team gratulieren und es zu dem ermutigen, was es getan hat, und nicht zu dem, was es nicht getan hat. Wenn du Motivation neu definieren und entwickeln willst, musst du festlegen, was sie können, und nicht, was sie nicht können.

Ein letztes Beispiel: Es ist vorzuziehen zu sagen, dass es besser ist, schneller zu arbeiten oder strenger zu sein, als zu sagen, dass sie nicht schnell genug arbeiten oder dass es ihnen an Strenge mangelt.

Ich bin kein Produkt meiner Umstände. Ich bin ein Produkt meiner Entscheidungen.

Stephen Covey

5. Nimm die richtige Körperhaltung ein

Bei deiner motivierenden Rede vor deinem Team musst du auf deine Körperhaltung achten. Dein Körper spricht für sich. Daher nennt man das auch Körpersprache. Er sendet direkte Botschaften aus.

Ein Teamleiter, der sein Team gerne motivieren möchte, aber völlig schlaff und kraftlos vor ihnen steht, sagt alles über seine Psyche aus. Mit dieser Körperhaltung sendet man eine Botschaft von Energielosigkeit und Demotivation aus. Egal wie gut die Rede und die Motivationsfaktoren wären, es würde nur sehr wenig rüberkommen.

Ich erinnere daran, dass der Diskurs, nämlich das, was wir sagen, nur 7 % der Kommunikation ausmacht. Mit anderen Worten, die Leute werden sich viel mehr an unsere Haltung, den Ton unserer Stimme und den Blickkontakt erinnern als an die Rede, die wir halten. Es kommt auf die richtige Mischung an.

Versuche nicht, originell zu sein, sondern nur gut zu sein.

Paul Rand

6. Das wichtigste zum Schluss. Die Handlungsaufforderung

Eine gute Motivationsrede sollte Flügel verleihen und Lust auf sofortiges Handeln machen.

Wie jedes Meeting, das mit „nächste Schritte“ endet, sollte deine motivierende Rede dein Team zum Handeln anspornen. Eine gute Motivationsrede fordert auf, aktiv zu werden. Es verleiht den Freiwilligen Flügel, um ohne Angst und mit Lust auf Herausforderungen zu zugehen und loszulegen.

Stell sicher, dass du mit einer klaren Botschaft endest, die deine Mitarbeiter anspricht:

  • „Wir haben noch 2 Monate, um das Ziel zu erreichen, ich weiß, dass jeder von uns alles geben wird…“
  • „Wir haben 20 % des Ziels erreicht und krönen unsere kontinuierlichen Bemühungen mit einem stilvollen Finale …“
  • „Lasst uns weitere Notleidenden glücklich machen. Denkt daran, dass jedes Lächeln bereits ein erster Sieg ist…“

Betonung ist wichtig, um maximales Engagement zu erzeugen. Pass sie an deinen gemeinnützigen Verein, den Kontext und dein Team an.

Geh mit gutem Beispiel voran und wechsele direkt nach deiner Rede in den Umsetzungsmodus. Damit eine Führungskraft glaubwürdig ist, müssen ihre Worte mit ihren Taten übereinstimmen.

  • Was würdest du von einem Teamleiter halten, der dich bittet, Spender zu respektieren, aber seinen Tag damit verbringt, schlecht über diese zu reden?
  • Oder von einer Führungskraft, die dich bittet, bis spät in die Nacht zu arbeiten, wenn sie das Büro um 17 Uhr verlässt?

Würdest du dich dafür begeistern, diesen Personentypen zu folgen? Nicht wirklich, oder?

Deshalb sollte das, was du sagst, immer mit dem übereinstimmen, was du tust. Eine Führungskraft zu sein bedeutet, die Initiative zu ergreifen und mit gutem Beispiel voranzugehen. Daher handele auch du am Ende deiner Motivationsrede! Dies wird deine Glaubwürdigkeit erheblich steigern. Sei dir bewusst, Glaubwürdigkeit ist die Grundlage deiner Führung.

Stärke zeigt sich nicht nur in der Fähigkeit zu bestehen, sondern auch in der Fähigkeit, neu anzufangen.

F. Scott Fitzgerald

Eine motivierende Rede als Abschlussbeispiel

Ein gutes Beispiel einer motivierenden Ansprache ist Steve Jobs Rede an der Stanforduniversität vom 12. Juni 2005. Hier ein kleiner Ausschnitt:

„Ihre Zeit ist begrenzt, also verschwenden Sie sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben. Lassen Sie sich nicht von Dogmen in die Falle locken. Lassen Sie nicht zu, dass die Meinungen anderer Ihre innere Stimme ersticken. Am wichtigsten ist es, dass Sie den Mut haben, Ihrem Herzen und Ihrer Intuition zu folgen. Alles andere ist nebensächlich.“

Wenn du dir Jobs Rede ansiehst, wirst du feststellen, dass er mit einem Aufruf zum Handeln endet: „Stay Hungry. Stay Foolish“. Diese letzten Worte blieben bei den Studenten hängen und sie trieben wahrscheinlich zur Aktion an.

Probleme sind Gelegenheiten, zu zeigen, was man kann.

Duke Ellington

Dieser Artikel gibt dir einen Überblick, wie du als Ehrenamtlicher eine motivierende Rede vorbereiten und abhalten sollst. Willst du mehr über Reden vor Publikum erfahren? Dann schreibe dich hier ein für meine Tipps und Ratschläge. Du erhältst für deine Einschreibung in meinen E-Mail-Verteiler als Gegenleistung mein E-Book „15 Tipps, wie du als Ehrenamtlicher souverän vor Publikum redest!“ Bei Interesse deinerseits, hier geht es zur Einschreibung.

Foto von Matheus Bertelli von Pexels

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