Die COVID-Pandemie und die Auswirkungen auf das Ehrenamt

Die COVID-Pandemie und die Auswirkungen auf das Ehrenamt

Während der vergangenen 15 Monaten spürten wir alle die Auswirkungen der COVID-Pandemie. Angefangen bei jedem Einzelnen über die Betriebe und Unternehmen, die Ministerien bis hin zu den Regierungen. In dieser groben Aufzählung fehlen die gemeinnützigen Organisationen. Sie wurden mit ihren vielen Ehren- und Hauptamtlichen jeden Tag aufs Neue von der COVID-Pandemie auf die Probe gestellt.

In diesem Blogartikel will ich meine Überlegungen darlegen, was diese Freiwilligenstrukturen jetzt tun können:

  • um ihre Mission in diesen besonderen Bedingungen der COVID-Pandemie, zu erfüllen
  • damit sie nicht nur überleben
  • sondern, sich sogar weiterentwickeln.

Denn eines ist klar, wenn diese COVID-Pandemie vorbei ist, werden Freiwilligenorganisationen weiterhin auf allen Gebieten benötigt. Auch die Zeit nach Corona wird auf ehrenamtliches Engagement angewiesen sein.

Was genauso einleuchtend ist, die Welt dreht sich in der Zwischenzeit weiter. Viele technische Fortschritte werden bedingt durch die COVID-Pandemie gepusht.

Ich kann mich nicht mehr genau an den Zeitpunkt als Freiwilliger erinnern:

  • wo ich eine Einladung auf meiner Schreibmaschine getippt habe
  • sie danach im Copyshop drucken ließ
  • anschließend sauber auf DIN A5 faltete
  • achtsam in die Briefumschläge einfügte und verschloss
  • die Briefmarken aufklebte
  • und zum Briefkasten brachte.

Die COVID-Pandemie hat uns allen gezeigt, dass neue Technologien wie Pilze aus dem Boden sprießen oder in ungeahnter Schnelligkeit weiterentwickelt werden. Wo eine hohe Nachfrage ist, wird ein Weg gefunden.

Neuerungen können Wunder wirken. Sie sind die Würze der Liebe und des Lebens überhaupt.

Alice Fleming

Fortsetzung der Projekte und Aufgaben auch während der COVID-Pandemie

Für jeden anschaulich sind die virtuellen Meetings oder Veranstaltungen seit mehr als einem Jahr. Hätte man mir vor anderthalb Jahren erklärt, dass das im Juni 2021 der Normalfall wäre, ich hätte es nicht für möglich gehalten.

Dies zeigt, dass du im Ehrenamt offen sein musst für neue Lösungen. Du darfst dich nicht scheuen, in angepasste Technologien zu investieren, wenn dadurch die Wirksamkeit verbessert wird. Du bewahrst damit deine Kommunikation auf einem hohen und angepassten Niveau. Die Abläufe von Prozessen werden verbessert. Du kannst die geplanten Projekte trotz COVID-Pandemie fortsetzen und ausführen.

Wenn Verordnungen von außen gemeinsame Treffen, wie sie noch vor 15 Monaten stattfanden, verbieten, gilt es neue Lösungen zu finden. Wir machen, was wir immer getan haben, nur unter angepassten Voraussetzungen. Sogar manchmal besser.

Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel.

Charles Darwin

Veränderung und trotzdem Verbesserung

Ich habe die Umstellungen in dem gemeinnützigen Verein, wo ich aktiv bin, die Vereinigung der Strassenverkehrsopfer erlebt. Außer den virtuellen Sitzungen des Verwaltungsrates waren es weitere Veränderungen, die sich mit der Zeit einstellten.

Fanden ab März 2020 die psychologischen Betreuungen, die unser professionelles Team abhält, noch mit Masken statt, so ging man schnell zu Trennwänden aus Plexiglas über. Hierdurch konnte die „Mimik-Barriere“ aufgehoben werden.

Um die Ansteckungsgefahr weiter zu reduzieren, die Infektionsbedrohung auf ein Minimum zu senken und das „Social Distancing“ zu garantieren, gingen wir zu virtuellen Betreuungsgesprächen über.

Obwohl gewöhnungsbedürftig wurden auch mit dieser Methode nicht erahnte Vorteile festgestellt. Für viele Opfer ist es ein angenehmeres Gefühl, eine Betreuung in den eigenen vier Wänden zu erleben. Andere finden Gefallen daran, auf den Anfahrtsweg verzichten zu können.

Wer nicht mit der Zeit geht, wird mit der Zeit gehen und wer seine Zukunft nicht aktiv steuert, steuert in eine ungewisse Zukunft.

Die Zeichen der Zeit lauten: anpassen! Das gilt sowohl für dich als Person als auch für deine gemeinnützige Organisation. Viele Strukturen sind momentan nicht mehr im Normalzustand. Sie sind im Überlebenskampf. Dabei sollten sie dem Song aus den 70er-Jahren von Gloria Gaynor, „I will survive“ folgen.

Wenn es bei den gemeinnützigen Organisationen nur noch ums Überleben geht, verpassen wir die Gelegenheit, notwendige Risiken einzugehen und neue Horizonte zu erschließen.

Wie schnell kommen wir in Meetings auf das Gespräch, wie wir da weitermachen, wo wir vor der COVID-Pandemie aufgehört haben. Diese Einstellung ist riskant. Wir dürfen nicht weitermachen, da wo wir standen.

Die Zeit läuft weiter. Sie nimmt uns mit. Es geht darum, die neuen Gegebenheiten anzunehmen, uns anzupassen und in der augenblicklichen Welt die Herausforderung zu akzeptieren.

Damit die Anpassung gelingt und die Weichen für die Zukunft eines gemeinnützigen Vereins optimal gestellt werden können, sind mir einige Fragen gekommen, die du dir ebenfalls beantworten kannst.

Wie hast du die vergangenen 15 Monate der COVID-Pandemie erlebt?

Vielleicht warst du selbst betroffen? Wahrscheinlich kennst du jemanden, der am COVID-Virus erkrankte. Oder sogar daran gestorben ist? In deiner Familie, in deinem direkten Umfeld, in deiner ehrenamtlichen Organisation, …?

Welche Emotionen hast du dabei erlebt? Angst, Unverständnis, Trauer, Druck, Verwirrung, Sorge, Kummer, Überforderung, Mitleid, Unzufriedenheit, Schmerz, Bestürzung, Motivation, Frust, Rätselhaftigkeit, Enttäuschung, Mitgefühl, …?

Möglicherweise haben diese Gefühle bei dir Entschlüsse ausgelöst, die deine Handlungen betreffen. Beispielsweise das Treffen mit Freunden oder Bekannten, dein Zugang zu Kunst und Kultur, deine Art des Einkaufens, des Reisens. Sie haben eventuell Auswirkungen auf deine Essgewohnheiten, deine Fitness, deine Wohnqualität (Home Office und Home Schooling).

Genauso davon betroffen ist vermutlich auch dein Vereinsleben. Mittlerweile kennst du: Onlinemeetings, Social Distancing, Hygienevorschriften, immer wieder andere Anweisungen umzusetzen, neue Probleme lösen und vieles mehr.  

Du musst aber bedenken, dass du diesen neuen Erfahrungen nicht allein gegenüberstehst. Deine Teammitglieder haben das Gleiche oder Ähnliches erlebt. Für die Sponsoren und Spender deines Vereins gilt auch, dass sie sich ein andersartiges Jahr vorgestellt haben. Und nicht zu vergessen alle die, welche auf die Dienste deiner gemeinnützigen Organisation angewiesen sind.

Wie ist dein Verein auf die sich verändernden Gesichtspunkte der eigenen Mitglieder, Spender, Sponsoren und Dienstempfänger eingegangen?

Gibt es in deinem Verein eine Aufstellung mit Überlegungen zum vergangenen Jahr? Wurden verschiedene Bereiche genauer analysiert wie beispielsweise:

Hat sich die Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter geändert? Wenn ja, welche Tendenz ist erkennbar?

Wurden die Kommunikationsstrategien (sowohl intern als auch nach außen) verändert? Wenn ja, wie und mit welchen Resultaten?

Welche Aktivitäten sind zusätzlich organisiert worden? Wurden vielleicht welche gestoppt? Weshalb?

Stieg die Summe der Spendeneinnahmen oder nicht?

Wurden neue Arbeitsweisen angewandt? Wenn ja, mit welchen Ergebnissen?

Haben sie neue Initiativen (z. B. Schulungen, Marketingstrategien, …) ergriffen? Wenn ja, welche? Welche Erkenntnisse haben sie daraus gezogen?

Die Auswertung dieser Unternehmungen hängen sicherlich von den Aufgaben, Werten und Missionen der einzelnen Organisationen ab. Diese Überlegungen und die Analysen sind wichtige Ausgangspunkte für die nächsten Monate. Ob mit oder ohne COVID-Pandemie.

Damit die gesetzten Ziele einer gemeinnützigen Organisation auch in Zukunft erreicht werden, ist es wichtig, ein Konzept aufzubauen. Das ist man den Dienstempfängern, den Spendern und Sponsoren, aber auch dem freiwilligen sowie dem professionellen Team schuldig.

Die Lehren aus der COVID-Pandemie

Ein Phänomen, das ich in Gesprächen mit ehrenamtlichen Führungskräften heraushörte, ist Folgendes: Durch die vielen Änderungen, Neuerungen und Anpassungen stellte man öfters fest, dass sowohl Freiwillige als auch Führungskräfte Talente bei sich und anderen entdeckten, denen sie sich nicht bewusst waren.

Diese Einsichten von neuen Fähigkeiten, die während der vergangenen Monate festgestellt wurden, sollen als Grundlage dienen, sich als Organisation neu aufzustellen. Hier soll man sich die Frage stellen:

Was können wir tun, um uns neu und gestärkt aufzustellen?

Welche Lehren können wir für unser Ehrenamt aus der COVID-Pandemie ziehen?

Zu diesem Thema habe ich weitere Betrachtungen angestellt, die ich dir hier vorstelle:

Das große Fazit, was man aus der COVID-Pandemie ziehen kann, ist, dass sie sehr starke Auswirkungen auf die Arbeit der ehrenamtlichen Organisationen hatte und immer noch hat.

Dabei sieht es aus, als wenn für die nächsten Monate, ja sogar vielleicht Jahre Aktivitäten und Veranstaltungen größtenteils online stattfinden werden. Diese Zustände werden weiterhin massiven Einfluss auf die Freiwilligenarbeit haben.

Wie bereits oben beschrieben, bleibt nach wie vor eine hohe Anpassungsfähigkeit aller Bereiche gefragt.

In den vergangenen Monaten haben wir alle Kreativität und Innovation bewiesen. Wir haben den Übergang vom Physischen zum Virtuellen geschafft. Diesen Weg gilt es weiter auszubauen. Der technologische Fortschritt wird uns keine Pause gönnen. Hier gilt es aufzupassen, dass diese Situation keine Unsicherheiten auslöst.

Dann sollten Meetings wirksamer abgehalten werden. Ideal wäre es, wenn man die Handhabung der Video-Übertragungssysteme trainieren könnte. Das Gleiche gilt für die Präsentationsfähigkeiten. In dem Kontext sollte man sich überlegen, wie man zu mehr Digitalisierung anregen kann.

Anpassung bleibt auch nach der COVID-Pandemie im Ehrenamt verankert

Denke und gehe mit der Zeit. Online-Events und virtuelle Meetings sind die neue Norm. Es ist sinnvoll, dass alle Freiwilligen versuchen sollen, neue, attraktive und innovative Formate auszuprobieren. Hier einige Anstöße: WhatsApp, YouTube, Google, TicToc, Slack, Hackathon, Clubhouse, Podcast, Breakout-Sessions, Q&A-Sessions, Spotify, usw.

Finden sie heraus, wer mit welchen Tools vertraut ist. Verwenden sie für verschiedene Gruppen unterschiedliche Kanäle.

Profitieren sie von diesen neuen Möglichkeiten auch um über die Grenzen hinauszuschauen. Der Online-Austausch mit internationalen Experten kann neue Erkenntnisse bringen. Das führt zu mehr interner Motivation. Das Argument von vor der COVID-Pandemie, zu hohe Reisekosten ist mit den neuen Online-Methoden hinfällig geworden.

Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, dass digitale Formate zu Ausgrenzungen führen können. Diesen Zustand gilt es zu vermeiden. Im Gegenteil, man könnte mit diesen neuen Möglichkeiten die Inklusion fördern.

Die Zeiten ändern die Gewohnheiten auch. Vielleicht sollte man die Termine für Veranstaltungen, Meetings, Calls auf andere Zeiten verlegen (Mittagspause, vor- oder nachmittags, Wochenende, …).

Die Zeiten ändern sich und wir mit ihnen.

Ovid

Überlegen sie sich auch neue Kommunikationsformen mit der Außenwelt. Bleiben sie präsent. Kommunizieren sie proaktiv und seien sie erreichbar. Reagieren sie schnell auf Bedürfnisse.

Es bleibt weiterhin wichtig, das Bewusstsein von Zusammenhalt und Solidarität zwischen allen Beteiligten aufrecht zu erhalten. Daher sorge für Alternativen zum digitalen Alltag. Der physische Austausch in einer sicheren, aber vielleicht sehr eingeschränkten Umgebung ist auf jeden Fall als prioritär anzusehen. 

Schlussfolgerung

Wir alle waren nicht auf die Auswirkungen der COVID-Pandemie vorbereitet. Wir haben uns mutig den Herausforderungen gestellt. Unsere Reaktionen waren innovativ und kreativ.

Die COVID-Pandemie hat dazu geführt, dass wir intern gedacht haben. Wie gehen wir miteinander um? Hand geben, ja oder nein? Umarmen? Ein Küsschen: Tabu!

Empfangen wir weiterhin Gäste? Wenn ja, wie? Wenn nein, welche andere Lösungen sind möglich?

Wie treffen wir uns mit den Freiwilligen? Wie mit denen, die unsere Hilfe unsere Dienste benötigen?

Damit wir die Zukunft resolut angehen können, soll jede gemeinnützige Organisation sich überlegen, welche Verantwortungsbereiche sich ändern müssen. Sie sollen gemeinsam die nächsten Schritte beraten.  Abschließend möchte ich auf einen weiteren Song hinweisen, der sehr gut zum Thema passt. Es handelt sich um „Wind of Change“ von den Scorpions.

Wenn es dir nicht gefällt, wie die Dinge sind: Beweg dich! Du bist kein Baum.

Jim Rohn

Wie könnte es deiner Meinung nach, nachdem die COVID-Pandemie vorbei ist, anders, sogar besser werden? Ich freue mich auf deine Ideen hier unten im Kommentar.

Bild von Here and now, unfortunately, ends my journey on Pixabay auf Pixabay 

2 Gedanken zu „Die COVID-Pandemie und die Auswirkungen auf das Ehrenamt

  1. Das Leben ist ein sich ewig neu erfinden. Es sollte sich kein Stillstand einstellen mit der Zeit gehen, für innovative Neuerungen aufgeschlossen sein und dadurch seinen Horizont erweitern. Ansonsten gilt das alte Sprichwort: “ Wer rastet der rostet“.

    1. Vielen Dank Jean-Paul für deinen Kommentar.
      Dem kann ich mich zu 100 % anschließen. Und es stimmt ebenfalls für die gemeinnützigen Organisationen im Ehrenamt.
      Auf eine rostfreie Zukunft.

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