Die oft vergessene Kunst der Begrüßung in Reden

Die oft vergessene Kunst der Begrüßung in Reden

Die Begrüßung – klein, aber oho!

Stell dir vor: Der Saal ist gefüllt, die Gäste sitzen erwartungsvoll auf ihren Plätzen. Das Flüstern des Publikums bildet eine bekannte Hintergrundatmosphäre. Das Mikrofon ist eingeschaltet – und du bist dran.

Jetzt sollst du die Veranstaltung eröffnen. Und schon geht das Grübeln los: „Wen begrüße ich zuerst? Was sage ich überhaupt? Und muss ich wirklich alle mit Titel nennen?“

Viele Ehrenamtliche kennen diese Situation nur zu gut. Die Rede wurde vielleicht vorbereitet, der Hauptteil steht – aber die Begrüßung? Die wird oft spontan improvisiert. Schließlich ist das doch nur der Anfang … oder?

Genau hier liegt der Denkfehler. Denn die ersten Worte sind wie der erste Händedruck: Sie entscheiden über den ersten Eindruck – und der ist schwer zu korrigieren. Eine gelungene Begrüßung kann das Eis brechen, Sympathie schaffen und die Aufmerksamkeit des Publikums gewinnen. Eine verpatzte dagegen lässt selbst die beste Rede danach mühsam wirken.

In diesem Artikel schauen wir uns deshalb genau diesen kleinen, aber entscheidenden Moment am Anfang einer Rede an: die Begrüßung. Warum sie wichtig ist, welche typischen Fehler du vermeiden solltest – und wie du sie künftig souverän meisterst, auch wenn du kein Profi bist.

Wird die Begrüßung nicht von einem Lächeln begleitet, so ist sie sinnlos. Das Lächeln ist das Leuchten, das dem Händedruck seinen Glanz verleiht.

Teil 1: Warum die Begrüßung so wichtig ist

Es klingt erst mal harmlos: „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste…“ – ein paar freundliche Worte zum Einstieg, und dann kommt ja schon der eigentliche Teil der Rede. Oder?

Falsch gedacht. Die Begrüßung ist nicht einfach ein Pflichtprogramm, das man eben „hinter sich bringen“ muss. Sie ist der Türöffner für deine Rede – und damit für die Verbindung zum Publikum.

Die ersten Sekunden zählen

In den ersten 10 bis 30 Sekunden einer Rede entscheidet das Publikum unbewusst, ob es dir zuhören will – oder lieber mit dem Sitznachbarn flüstert. Das nennt man in der Psychologie den „Primacy Effect“ – also: Der erste Eindruck bleibt hängen.

Gerade bei Veranstaltungen im Vereinsleben – mit Kaffee, Kuchen und Gemurmel im Hintergrund – ist es entscheidend, dass du gleich zu Beginn die Aufmerksamkeit bekommst. Und wie machst du das? Mit einer Begrüßung, die sitzt.

Begrüßung ist mehr als Namen aufzählen

Viele meinen, eine Begrüßung sei einfach eine Liste: Bürgermeisterin X, Ehrenvorsitzender Y, liebe Vereinsmitglieder, danke. Zack, fertig.

Aber eine gute Begrüßung ist mehr als eine Aufzählung von Titeln. Sie ist der Moment, in dem du eine Verbindung zu deinem Publikum aufbaust. Du zeigst Respekt, Wertschätzung – und auch Persönlichkeit.

Wer charmant, herzlich oder auch mal humorvoll begrüßt, holt die Menschen emotional ab. Und das ist gerade im Ehrenamt Gold wert. Denn hier geht es nicht um professionelle Rhetorik, sondern um authentisches Auftreten.

Die Begrüßung setzt den Ton

Mit deiner Begrüßung entscheidest du, welche Stimmung du setzt. Ist deine Rede eher feierlich, locker, nachdenklich, motivierend? Deine ersten Worte geben eine klare Richtung vor.

Beispiel:

  • Ein trockener Einstieg: „Ich begrüße Sie zur diesjährigen Jahreshauptversammlung unseres Vereins.“
  • Oder: „Schön, dass Sie sich an einem Freitagabend nicht für Netflix, sondern für uns entschieden haben – das spricht eindeutig für Ihren guten Geschmack!“

Beide Varianten können passen – die Frage ist nur: Welche Stimmung willst du erzeugen?

Die Stimmung bestimmt den Erfolg und den Misserfolg.

Alfred Selacher

Teil 2: Die häufigsten Fehler bei der Begrüßung

Manche Begrüßungen sind so langweilig, dass selbst die Ohren mit Gähnen anfangen. Andere wiederum sind so holprig, dass man als Zuhörerin das Bedürfnis hat, aufzustehen und zu helfen.
Damit dir das nicht passiert, schauen wir uns hier die klassischen Fehlerquellen an – und wie du sie elegant vermeidest.

1. Die Floskel-Falle bei der Begrüßung

„Sehr geehrte Damen und Herren, ich darf Sie recht herzlich begrüßen …“
Kommt dir bekannt vor? Klar – das ist der Klassiker unter den Sprachhülsen. Leider wirkt er auch genau so: abgenutzt, austauschbar und wenig einladend.

Besser: Statt der 08/15-Formel lieber eine persönliche, authentische Begrüßung wählen. Auch kleine Anpassungen wirken Wunder:
„Ich freue mich, dass Sie heute hier sind – trotz des schönen Wetters draußen!“
Oder: „Willkommen zu einem Abend, an dem wir nicht nur Zahlen hören, sondern auch Menschen feiern!“

2. Die endlose Ehrengästeliste

Manche Begrüßungen geraten zu einem regelrechten Titel-Marathon:
„Ich begrüße Herrn Bürgermeister Müller, Frau Dr. Schulze von der Stadtverwaltung, unseren Ehrenvorsitzenden Herrn Karl-Heinz Meier, die Vertreterinnen der Sparkasse, den Vorsitzenden des Kreisverbands …“

Das Publikum schaltet innerlich nach dem dritten Namen ab.

Tipp: Begrüße gezielt – vom Allgemeinen zum Besonderen (z. B. zuerst alle Gäste, dann gezielt ein bis zwei Ehrengäste). Und wenn’s doch viele sind: erwähne die wichtigsten persönlich, den Rest als Gruppe – freundlich, aber knackig.

3. Unvollständig oder planlos

Wer aus dem Stegreif begrüßt, vergisst schnell mal jemanden – und das fällt auf. Vor allem, wenn der oder die Vergessene selbst auf eine persönliche Begrüßung gehofft hat (z. B. ein Sponsor oder die Vorsitzende eines Partnervereins).

Lösung: Bereite deine Begrüßung genau wie den Rest der Rede vor. Schreib dir die Reihenfolge auf – oder arbeite mit einem kleinen Spickzettel.

4. Keine Körpersprache, keine Ausstrahlung

Wenn du bei der Begrüßung nicht ins Publikum schaust, monoton sprichst und dabei noch das Rednerpult umklammerst wie eine Rettungsboje, dann kommt selbst der schönste Text nicht gut an.

Merke: Der Ton macht die Musik – und die Haltung spielt mit. Ein Lächeln, Blickkontakt, aufrechte Haltung – das ist oft wichtiger als perfekte Worte.

5. Unpassender Humor oder Insider-Witze

Natürlich darf eine Begrüßung auch mal lustig sein – aber Vorsicht: Was du witzig findest, kann bei anderen auf Unverständnis oder sogar Ablehnung stoßen. Besonders bei älterem Publikum oder offiziellen Anlässen lieber keine riskanten Scherze oder Interna.

Daumenregel: Wenn du überlegst, ob du den Witz bringen sollst – lass es lieber. Oder teste ihn vorher an einer anderen Person.


So, jetzt weißt du, wo die Stolperfallen liegen. Im nächsten Teil zeige ich dir, wie du es besser machst – mit praktischen Tipps und einfachen Tricks für eine Begrüßung, die wirkt.

Das Merkmal von plattgetretenen Floskeln ist, dass jeder auf ihnen herumtritt und keiner sie aufliest.

Daniel Mühlemann

Teil 3: So gelingt eine gute Begrüßung

Du musst kein Profi-Redner sein, um gut zu starten – aber ein bisschen Vorbereitung, ein klares Konzept und ein Funken Persönlichkeit machen den Unterschied. Hier bekommst du praxisnahe Tipps, die du direkt bei deiner nächsten Rede anwenden kannst.

Die richtige Reihenfolge – wer zuerst?

In vielen Vereinen gibt es eine gewisse Begrüßungs-Hierarchie, und die solltest du kennen – nicht weil’s um Eitelkeiten geht, sondern um Respekt.

Eine bewährte Faustregel:

  1. Das Publikum insgesamt („Liebe Gäste“, „Liebe Vereinsmitglieder“)
  2. Vertreterinnen und Vertreter von Politik und Wirtschaft
  3. Sponsoren, Kooperationspartner
  4. Ehemalige Vorsitzende, Ehrenmitglieder
  5. Besondere Einzelpersonen, z. B. Jubilar*innen, Ehrengäste

Wichtig: Du musst nicht jede Person einzeln nennen – Gruppenbegrüßungen mit einem charmanten Zusatz wirken oft sogar eleganter.
Beispiel: „Ich begrüße alle Vertreter*innen unserer befreundeten Vereine – schön, dass ihr wieder dabei seid!“

Sprich zu Menschen, nicht zu Titeln

Eine Rede ist keine Visitenkartenverlesung. Mach deine Begrüßung menschlich.
Statt: „Ich begrüße Herrn Bürgermeister Müller von der Stadtverwaltung“,
lieber: „Willkommen an unseren Bürgermeister Herrn Müller – danke, dass Sie sich heute die Zeit genommen haben.“

Damit zeigst du Persönlichkeit und Wertschätzung – ohne steif zu wirken.

Schreib sie dir auf – und trotzdem frei sprechen

Auch wenn’s „nur“ die Begrüßung ist – bereite sie schriftlich vor. Wenn du sicher bist, kannst du sie später frei oder mit kleinen Notizen sprechen.

Tipp: Schreib die Begrüßung so auf, wie du sie sprechen würdest, nicht wie einen Behördentext.

Bring Leben rein – mit einem kleinen Einstieg

Eine Begrüßung muss nicht trocken sein. Du kannst sie auflockern mit:

  • einer kurzen Anekdote: „Letztes Jahr um diese Zeit saßen wir hier mit Wollsocken – heute ist es T-Shirt-Wetter!“
  • einem humorvollen Bezug zum Anlass: „Ich verspreche: Diese Rede wird kürzer als die letzte Vorstandssitzung!“
  • einer Frage ans Publikum: „Wer von euch war eigentlich bei unserem allerersten Vereinsfest dabei?“
  • einem Dank: „Bevor ich beginne, ein herzliches Dankeschön an alle, die diesen Abend möglich gemacht haben.“

Wichtig ist: Es muss zu dir und zum Anlass passen. Bleib du selbst – das ist überzeugender als jede Bühnenshow.

Sprich mit Stimme – und Körper

Sprich laut genug, langsam und mit Pausen. Und: Lächeln wirkt Wunder! Wenn du dein Publikum ansiehst und offen sprichst, hören sie dir gern zu – ganz unabhängig vom Text.

Kleiner Trick: Stell dir beim Begrüßen vor, du sprichst mit Freunden. Das nimmt den Druck raus – und deine Haltung wird automatisch lockerer.

Bonus-Tipp: Habe einen Plan B

Falls mal jemand spontan da ist, den du ursprünglich nicht auf der Liste hattest – kein Stress. Sag am Ende deiner Begrüßung einfach:
„Und natürlich begrüße ich auch alle, die ich jetzt vielleicht übersehen habe – es ist schön, dass Sie da sind!“
Das zeigt Souveränität – und rettet im Zweifel das Gesicht.


Mit diesen Tipps bist du bestens gewappnet für einen starken Einstieg – selbst wenn dir beim Gedanken ans Mikro erst mal die Knie zittern.

Im nächsten Teil schauen wir uns an, wie du auch als ehrenamtliche(r) Redner(in) ohne viel Bühnenerfahrung entspannt und sympathisch auftrittst.

Der Plan B, der immer funktioniert: Besonnenheit, Belastbarkeit, Beharrlichkeit.

KarlHeinz Karius

Teil 4: Tipps für Ehrenamtliche – auch wenn du kein Profi bist

Du bist kein Profi-Redner oder Moderator? Musst du auch nicht sein. Im Ehrenamt geht es nicht um perfekte Rhetorik oder Bühnenshow – sondern um Herz, Engagement und Authentizität. Und genau das darf (und soll!) man auch in deiner Begrüßung spüren.

Hier kommen fünf Tipps, die dir helfen, locker, menschlich und wirkungsvoll in deine Rede zu starten – ganz ohne Lampenfieber-Akrobatik:

1. Du musst nichts Besonderes sein – sei einfach du selbst

Manche versuchen, bei Begrüßungen plötzlich besonders „offiziell“ zu klingen. Das wirkt oft aufgesetzt – vor allem, wenn man im Verein sonst per Du ist.

Tipp: Sprich so, wie du auch im Alltag sprichst – vielleicht einen Hauch formeller, aber bleib bei deinem Stil.
Ein sympathisches:
„Schön, dass ihr da seid – ich weiß, die Bar war eine harte Konkurrenz, aber ich freu mich, dass ihr mir kurz zuhören wollt!“
kommt besser an als ein gestelztes:
„Ich begrüße die geschätzte Mitgliedschaft zur heutigen Zusammenkunft …“

2. Üben ist keine Schwäche – sondern dein Heimvorteil

Ja, sogar die besten Redner üben. Warum solltest du es nicht tun?
Sprich deine Begrüßung vorher laut – am besten mit einer anderen Person oder in den Spiegel, warum nicht als Video ins Smartphone. So merkst du gleich, wo’s holpert.

Und: Wenn du’s vorher ein paar Mal gesagt hast, fällt’s dir viel leichter, sobald du vorne stehst.

Extra-Tipp: Übe in der Kleidung, die du tragen wirst. Klingt komisch – hilft aber.

3. Kurze Notizen helfen – und dürfen auf den Zettel

Kein Mensch verlangt, dass du die komplette Begrüßung auswendig kannst. Ein kleiner Spickzettel mit Stichpunkten ist völlig okay – solange du nicht die ganze Zeit darauf starrst.

Schreibe darauf zum Beispiel:

  • Begrüßungsreihenfolge (z. B. Gäste, Bürgermeister, Ehrenmitglieder)
  • ein Einstiegssatz
  • ein Übergang zum Hauptteil

Das gibt dir Sicherheit – und verhindert, dass du jemanden Wichtiges vergisst.

4. Beginne mit etwas Positivem

Starte deine Begrüßung, wenn möglich, mit einer positiven Beobachtung oder einer kleinen Wertschätzung. Das bringt sofort gute Stimmung in den Raum.

Beispiele:

  • „Ich glaube, so voll war unser Vereinsheim lange nicht mehr – großartig, euch alle zu sehen!“
  • „Allein für den Duft vom Kuchenbuffet hat sich das Kommen heute schon gelohnt!“
  • „Ich sehe viele vertraute Gesichter – und auch einige neue. Herzlich willkommen!“

5. Vergiss das Publikum nicht – sie wollen dich mögen

Dein Publikum besteht nicht aus strengen Prüfern – sondern aus Menschen, die sich freuen, dass du das machst. Die meisten sind auf deiner Seite.

Wenn du dich mal verhaspelst, ist das kein Weltuntergang. Lächeln, ruhig bleiben, weitermachen.
Ein ehrliches: „So, jetzt hab ich mich kurz verhaspelt – das kommt vor, wenn man sich freut, dass so viele da sind!“ kommt besser an als jedes nervöse Entschuldigen.


Kurz gesagt: Du musst keine perfekte Show liefern – du sollst einfach nur präsent, freundlich und vorbereitet sein. Das reicht völlig, um mit einer guten Begrüßung zu punkten.

Es ist egal

wer du bist –

wo du herkommst –

an welche Religion du glaubst –

welche Hautfarbe du hast.

Sei einfach nur ein anständiger Mensch –

das ist das einzige, was zählt.

Willy Meurer

Tipp zum Schluss: Dein Werkzeugkoffer für den perfekten Redeanfang

Du hast jetzt gesehen, wie wichtig eine gute Begrüßung ist. Aber vielleicht fragst du dich:
„Wie genau beginne ich meine Rede beim nächsten Mal?“

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Gönn dir diesen Werkzeugkoffer – du wirst ihn nicht nur einmal brauchen.

Die Sprache sollte ein Werkzeug sein und nicht zur Waffe werden.

Pascal Hilgendorf

Titelbild: Depositphotos

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