Was bewirkt der Blick von anderen bei dir?

Was bewirkt der Blick von anderen bei dir?

Als ich kürzlich mit einer im Ehrenamt tätigen Bekannten über meinen letzten Artikel (23 Redetipps für Ehrenamtliche, die vor Publikum sprechen müssen), sprach, sagte sie mir ganz offen „ Was mich auf der Bühne am meisten stört, ist der Blick von anderen. Ja, das kann mich sogar blockieren“.  

Ihre Aussage hat mich im Nachhinein sehr beschäftigt. Ich habe auf meine frühere Redeangst zurückgeschaut. Dabei bin ich durch sehr viele verschiedene Gedankengänge gewandert. Die gute Nachricht lautet: der Blick von anderen kann auch eine große Unterstützung auf dem persönlichen Weg eines jeden werden.

Der Blick von anderen ist ganz klar ein gesellschaftliches Problem, das viele Menschen betrifft. In der Gesellschaft, in der wir heute leben, werden wir regelrecht von Bildern bombardiert. Einerseits sind das die Bilder oder Videos in den sozialen Medien. Andererseits sind es die vielfältigen Möglichkeiten, mit dem eigenen Smartphone unseren Alltag zu dokumentieren und an alle unsere Fans weiterzuleiten.

Ein freundlicher Blick durchdringt die Düsternis wie ein Sonnenstrahl.

Albert Schweitzer

Allein durch den Blick von anderen existieren

Viele Menschen lassen sich heute von „Influencern“ prägen. Diese kommen ganz „swag“ rüber. Laut Wikipedia bedeutet dieser Ausdruck in der Jugendsprache eine beneidenswerte, lässig-coole Ausstrahlung bzw. eine charismatisch-positive Ausstrahlung.

„Swag“ Personen existieren allein durch den Blick von anderen. Denjenigen, denen diese Art von Leuten gleichgültig sind, finden solche Inszenierungen lächerlich. Dann gibt es diejenigen, die den Blick von anderen auf sich ziehen möchten und dies nur sehr schwer erreichen. Last but not lease, diejenigen die Probleme mit dem Blick von anderen haben.

Wie wir mit dem Blick von anderen auf uns umgehen, ist ein ausschlaggebender Faktor, ob wir dadurch Selbstvertrauen gewinnen und aufbauen oder im Gegenteil uns selbst entwerten.

Aber lass mich zurück zu mehr Positivem kommen. Es wäre viel schwieriger für uns, ohne die anderen zu wachsen. Wir sehen andere genau durch die Filter, die wir in unserem Blickfeld akzeptieren. Studien haben das bewiesen. Wenn man 25 Leute zusammenbringt und jeden bittet, seine Meinung zu einer bestimmten Person zu äußern, wird man unterschiedliche Meinungen hören.

Klar, es werden sicherlich einige Gemeinsamkeiten in Bezug auf die Persönlichkeit der Zielperson geben. Aber jeder wird das auswählen, woran er glaubt, um diese Person zu bewerten.

Wenn man zum Beispiel einen großen, starken Mann anvisiert, der sehr erfolgreich im Leben steht und allgemein respektiert wird, dann mögen ihn viele bewundern und er sogar als Beispiel dienen, dem man folgen kann. Einige könnten sich jedoch auch unbehaglich fühlen, weil sie sich ihm gegenüber als minderwertig vorkommen würden. Dies hängt vom Bild ab, das jede Person von sich selbst hat und nicht von der Zielperson.

Ein Blick, tausend Sichtweisen.

Siegfried Wache

Blockade durch einschränkende Glaubenssätze

Jedes unangenehme Gefühl, das wir gegenüber jemandem haben könnten, offenbart eine Blockade in uns, einen einschränkenden Glaubenssatz.

  • Wenn du dich schlecht fühlst wegen jemandem, der es besser gemacht hat als du (immer ausgehend nach deinen Erfolgskriterien), dann siehst du hier vielleicht eine Chance, dein Selbstvertrauen zu entwickeln, um zu erkennen, dass du genauso bewundernswert bist wie diese Person, aber auf andere Weise.
  • Du fühlst dich schlecht, wenn dich jemand für etwas verantwortlich macht oder sogar angreift, dann ist dies eine Gelegenheit für dich zu lernen, Dinge zu akzeptieren und dein Ego beiseitezulegen, um ruhig und entwaffnend auf deinen Gegner zu reagieren.
  • Wenn du ein schlechtes Gewissen hast, arbeitslos zu werden, dann stellst du vielleicht fest, dass es dir an Empathie fehlt und dass diese Eigenschaft in dir entwickelt werden sollte.
  • Wenn du dich in der Nähe wohlhabender Menschen schlecht fühlst, liegt dies sehr oft daran, dass es Überzeugungen in dir gibt, die deine eigene Fähigkeit einschränken, Fülle anzuziehen und Dinge zu genießen, die dir heute noch nicht erlaubt sind.

Ich für meinen Teil erinnere mich jedes Mal daran, dass das, was ich bei anderen sehe oder feststelle, nur eine Folge meiner eigenen Einstellung ist und dass ich daran arbeiten muss. Dabei habe ich manchmal Schwierigkeiten, bestimmte Verhaltensweisen herauszufinden, weshalb ich die Dinge anders sehe, was in mir repariert, verbessert oder verändert werden muss.

In solchen Situationen ist der Blick von anderen dann ein Geschenk!

Ein Blick ist zu wenig, um Einblick zu bekommen.

Karin Büchel

Der Blick von anderen und die Auswirkungen auf deinen Ruf

Ich will aber hier auch noch auf eine andere Perspektive dieser Problematik eingehen. Der Blick von anderen auf dich hat Auswirkungen auf deinen Ruf und ist als solcher von entscheidender Bedeutung.

Wenn du ein gesundes Selbstwertgefühl hast, brauchst du andere nicht, um gut über dich zu denken. Diejenigen von uns mit einem belastbaren Selbstwertgefühl leben in einem großartigen sozialen Netzwerk und brauchen einen guten Ruf für praktische Zwecke.

Es ist schwer, Freunde zu haben, wenn die Leute denken, dass du gemein bist, und es ist schwer, deinen Lebensunterhalt in irgendeiner Weise zu verdienen, wenn die Leute dich für faul, unzuverlässig oder unehrlich halten.

Unser Ruf ist also ein Werkzeug für die praktische Orientierung durch das tägliche Leben. Ein guter Ruf glättet die Reise etwas. Ein schlechter lässt Türen vor der Nase zuschlagen und stellt unser Vertrauen in uns selbst auf die Probe.

Einen guten Ruf zu zerstören ist einfach. Das kann sehr schnell gehen. Um einen guten Ruf zu zerstören, ist nur ein einziger Fehltritt erforderlich. Der Aufbau dagegen ist viel schwerer. Es erfordert Anstrengung, Geduld und Zeit.

Gut und Geld kann man mehrmals verlieren, seinen guten Ruf nur einmal.

Achim Reichert

Was ist denn das Geheimnis eines guten Rufs?

Sei ein Mensch, der für andere wertvoll ist. Ergreife konsequente Maßnahmen, die die Eigenschaften verkörpern, die andere mit dir in Verbindung bringen sollen. Vergiss die nichtssagenden Redensarten von harter Arbeit, Liebe zum Detail, Loyalität und Tatendrang – lebe sie. Nimm sie überhaupt nicht in den Mund. Lass andere sie in dir entdecken.

Sei dir bewusst, wer du bist. Die meisten anderen wissen es wahrscheinlich nicht. Sei du selbst und der Blick von anderen wird dich als erfüllende und selbstbewusste Person erkennen.

Falls du jetzt immer noch zweifelst, dann lies dir folgende vier Vorteile eines guten Rufs durch.

  1. Du kannst andere nicht davon abhalten, dich abzuwerten, aber ein guter Ruf kann dir zu Hilfe kommen, wenn Menschen sich zu deiner Verteidigung erheben, ohne dass du es überhaupt weißt. Wir alle müssen freundlicher und sanfter miteinander umgehen.
  2. Ein guter Ruf ist eine großartige Marketingstrategie. Jemand, dessen Leistung seine Konkurrenz in den Schatten stellt, ist Goldwert. Solche Leute sind im Ehrenamt gefragt, werden mit Begeisterung weiterempfohlen und anerkannt für das, was sie wert sind.
  3. Ein guter Ruf bietet dir ein Ziel, das du weiterhin anstreben kannst. Anstatt deine Schwächen zu beklagen, lass deinen guten Ruf als Motivation dienen, um dich zu verbessern.
  4. Dein guter Ruf inspiriert andere. Wir alle brauchen positive Vorbilder im Ehrenamt, auch die Besten und Klügsten unter uns.

Ein guter Ruf führt immer zu einem guten Echo.

Helmut Glaßl

Der gute Ruf deines Vereins steht für Vertrauen

Als gemeinnütziger Verein ist man auf einen guten Ruf angewiesen. Er wird gleichgesetzt mit Vertrauen. Viele haben jahrelang hart daran gearbeitet, eine erfolgreiche Vereinsstruktur aufzubauen, von Spendern respektiert und von Notbedürftigen verehrt zu werden. Das macht das, was diese gemeinnützigen Strukturen leisten, zu etwas ganz Besonderem.

Ein guter Ruf ist ein immaterieller Begriff. Allgemein kann man aber davon ausgehen, dass ein hohes Ansehen den Wert eines Vereins nachweislich erhöht.

Wenn wir uns um unseren Ruf kümmern, heißt das nicht, dass uns dann andere mögen. Das kannst du vergleichen mit dem Cover eines Buches. Es sieht vielleicht einladend aus, informiert uns aber sehr wenig über seinen Inhalt. Wenn der Inhalt aber gut ist, ist auch nichts falsch daran, sich um einen attraktiven Einband zu kümmern.

Sei dir bewusst, dass dein Glück nicht von anderen Leuten abhängt. Glück ist Selbstverwirklichung und daher ein innerer Zustand, auf den der Blick von anderen keinen Einfluss hat.

Es hängt alles davon ab, wo du momentan stehst und wohin du hinwillst. Der Blick von anderen hat jedenfalls nichts damit zu tun.

Um einen guten Ruf zu erlangen, muss man sich bemühen, das zu sein, was man gerne sehen möchte.

Sokrates

Hast du Angst vor dem Blick von anderen? Wie gehst du damit um? Ich bin gespannt auf deine Reaktion.

Image by PublicDomainPictures from Pixabay 

2 Gedanken zu „Was bewirkt der Blick von anderen bei dir?

  1. Der Blick von Zuschauern oder Zuhörern lässt mich aber kalt. Wenn ich merke dass ein Blickkontakt besteht, dann weiche ich auch nicht aus, und spreche weiter mit dieser Person, gehe dann langsam nach einiger Zeit mit dem Blick weiter. Wenn eine männliche Person mich anstarrt, starre ich zurück, und fixiere sie, aber nicht während dem Sprechen. Bei einer weiblichen unbekannten Person glotze ich nicht. Von Ihnen fürchte ich Bemerkungen.

    1. Danke Jean für deinen Kommentar.

      Das ist ein gutes Verhalten, das du da beschreibst.
      Ein kleiner Tipp: glotzen sollst du nie, auch nicht bei Männern. Einfach ansehen. Aber sicher hast du das gemeint.
      Viel Glück bei deiner nächsten Rede.

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