Vergiss das Wort „Entschuldigung“, wenn du vor Publikum redest

Vergiss das Wort „Entschuldigung“, wenn du vor Publikum redest

Entschuldigung ist ein Wort, das im Ehrenamt immer wieder auftaucht. Aber es ist kein Wunder, dass sich die Leute ständig entschuldigen. „Entschuldigung“ ist eines der ersten Wörter, die wir als kleine Kinder lernen.

Freiwillige werden angehalten sensibel, empathisch und besorgt, um die Gefühle anderer zu sein. Also gibt man sich mit den besten Absichten alle Mühe, nett, höflich und freundlich zu sein – dabei übertreibt man es bis hin zum Mea Maxima Culpa.

Freiwillige denken häufig, dass ihre sehr oft reflexartig ausgesprochene Entschuldigung Ehrerbietung, Respekt oder Entgegenkommen zeigen soll. In Wirklichkeit lässt es sie aber weniger vorteilhaft in ihren eigenen Fähigkeiten erscheinen.

Besonders bei Auftritten, Reden, Ansprachen hat das Wort Entschuldigung nichts verloren! Diese krasse Aussage mag dich vielleicht erstaunen. Im Verlauf dieses Artikels werde ich dir meine Erklärungen präsentieren. Dazu gebe ich dir zusätzliche Tipps, was du anstelle vom Wort „Entschuldigung“ benutzen kannst.

Jede Rechtfertigung ist ein Indiz für Schuld und Schwäche.

Peter Rudl

Eine Entschuldigung kann deinen Auftritt ruinieren

Du kennst das vielleicht von dir selbst oder hast es bereits während Reden, Vorträgen, Schulungen oder sonstigen öffentlichen Ansprachen bemerkt. Der Hauptakteur, der Ausbilder, der Politiker, der Redner, der Referent entschuldigt sich für etwas, das dir überhaupt nicht aufgefallen ist.

Welches Gefühl löst das bei dir aus?

Bei mir lässt in diesem Fall der Ausdruck „Entschuldigung“ oder „Es tut mir leid“ unterschwellig den Anschein erwecken, dass es die Vertrauenswürdigkeit der Person untergräbt.

Jede Ansprache ist eine Gelegenheit, dein Selbstvertrauen, deine Kompetenz und deinen Charakter unter Beweis zu stellen. Du hast die Möglichkeit zu beweisen, dass du die Anliegen deines Publikums verstehst und zeigst, wie du seinen Bedürfnissen gerecht werden kannst. Und wenn du es gut machst, steigerst du auch deine persönliche Glaubwürdigkeit, genauso wie die deines gemeinnützigen Vereins.

Bis du sagst: „Entschuldigung“ oder „Es tut mir leid“.

„Es tut mir leid“ in einer Präsentation zu hören, erinnert mich an meine Jugend. An die Sendung „Disco“ mit Ilja Richter. Von ihm stammt der Ausdruck: „Licht aus, Spot an!“ „Entschuldigung“ in einer Rede ist, als würde man einen riesigen Spot auf etwas richten, das das Publikum noch nicht gesehen hat.

Es gibt diesen Ausspruch: „Das Publikum weiß nicht, dass du einen Fehler gemacht hast, bis du es ihm sagst“.

Du bist gut vorbereitet und konzentriert auf deinen Auftritt. Wenn du einen Fehler erkennst, ist der höchstwahrscheinlich für das Publikum völlig unsichtbar. Die Zuschauer hören deine Stimme nicht zittern. Sie wissen nicht, dass du gerade einen ganzen Teil deiner Rede übersprungen hast. Hier ist ein „Entschuldigung“ von dir ein klares No-Go.

Es ist besser, keine Entschuldigung anzubieten als eine schlechte.

George Washington

Niemand ist perfekt, wir alle machen Fehler

Wenn du deine Entschuldigung doch aussprichst, dann lässt es dich unsicher und unvorbereitet erscheinen. Auf lange Sicht kann es deinem Ruf, deinem Ansehen und deinem Image mehr schaden als nützen, dich zu entschuldigen. Immerhin vertrittst du in diesem Moment deinen gemeinnützigen Verein vor Publikum. Was noch schwerwiegender wäre, vor der Presse.

Wie du sicherlich weißt, niemand ist perfekt. Mit anderen Worten, wir alle machen Fehler. Egal wie gut du dich vorbereitet hast, es wird kein perfekter Auftritt. Das Gute daran ist, das Publikum will keinen perfekten Auftritt erleben. Die Zuschauer möchten jemanden sehen und hören, der authentisch, real und zugänglich ist. Jemanden, der zwischen seiner Präsenz und seinen gesprochenen Worten Harmonie an den Tag legt. Sie wollen Übereinstimmung.

Darüber hinaus musst du bedenken, dass der Großteil der Zuschauer nicht mit dir dort oben auf der Bühne tauschen will. Es ist für viele mit das Schlimmste, was ihnen passieren könnte.

Das Publikum erwartet einen Redner, der sein Thema mit Leidenschaft vorträgt. Einen Redner, der „keine Rolle spielt“, aber der weiß, dass er eine wahre „Rolle zu spielen“ hat.

Sich zu entschuldigen ist die beste Grundlage für die nächste Beleidigung.

Ambrose Bierce

Drei Beispiele aus der Praxis

Ich zeige dir hier drei Beispiele, die ich selbst erlebt habe, wo meiner Meinung nach, eine Entschuldigung fehl am Platz war. Dazu gebe ich dir Tipps, wie du in solchen Situationen reagieren könntest.

  1. „Entschuldigung, ich bin sehr nervös. Dies ist meine erste Rede vor Publikum. Ich ersetze den erkrankten Kollegen…“.

Es war bei einer Jahresabschlussfeier eines gemeinnützigen Vereins. Ich behaupte, dass jeder der Redner an diesem Abend mehr oder weniger nervös war. Immerhin standen sie vor einem Publikum von fast hundert Leuten inklusive der Lokalpresse.

Rückblickend kann ich hervorheben, dass der junge Mann seinen Vortrag sehr gut vorgebracht hat. Seine Nervosität hätte das Publikum nicht bemerkt, wenn er sie nicht angekündigt hätte.

Ich habe ihm später am Abend mein positives Feedback mitgeteilt. Ich sagte ihm, dass man ihm seine Aufregung nicht angemerkt habe und sein Auftritt viel besser war, als er ihn sich wahrscheinlich ausgemalt hatte. Augenzwinkernd gab ich ihm zu verstehen, dass wenn seine Nervosität so offensichtlich gewesen wäre, das Publikum es selbst herausgefunden hätte, auch ohne seine Vorwarnung. Des Weiteren gab ich ihm zu bedenken, dass ein Publikum sich nicht auf die Anspannung des Redners fokussiert, sondern auf das, was er vermittelt.

2. „Es tut mir leid, aber ich weiß nicht, ob ich meine Rede zu Ende bringen kann. Ich habe mich erkältet und habe Probleme mit meiner Stimme“.

Diese Begrüßung der Rednerin löste bei mir aus, dass ich mehr auf ihre Stimme achtete als auf die Wörter, die sie an das Publikum richtete. Übrigens, die Rednerin brachte die Ansprache problemlos zu Ende.

Ich war auch einmal in einer sehr ähnlichen Situation. Ich informierte den Organisator im Voraus, erstellte einen Back-Up-Plan, indem ich einen Kollegen anwies, mich bei Bedarf zu ersetzen, schonte mich und meine Stimme bereits am Vortag und brachte meinen Tee mit Honig mit auf die Bühne, das Ganze ohne Entschuldigung.

3. „Entschuldigung, die Technik scheint mich im Stich zu lassen“.

Wer kennt ähnliche Probleme nicht? Auch hier gilt, es kommt immer darauf an, wie man damit umgeht. Für diese Szenarien kann man im Voraus bereits Maßnahmen treffen.

Wenn ich einen Auftritt habe, bin ich mindestens eine halbe Stunde vor dem Termin vor Ort. Ich kann mir dann in Ruhe die Räumlichkeiten ansehen und was wichtiger ist, ich kann die Technik in Augenschein nehmen. Läuft die Powerpoint-Präsentation, gibt es Besonderheiten mit dem Mikrofon, wie sind die Lichtverhältnisse? Nicht zu vergessen, wer ist zuständig für die Technik?

Und für den Fall, wo alle Stricke reißen sollten, teste ich, ob mein „stromloser“ Plan B in dieser Umgebung funktioniert?

Was du auf jeden Fall vermeiden sollst, ist in Panik zu geraten, das Technikteam vor allen Zuschauern zur Schnecke machen oder Frust abzulassen, auf Kosten anderer.

Versuch gelassen zu bleiben. Wenn du es schaffst, die Situation so anzunehmen, als wäre sie normal und nicht zufällig und damit ein Wohlbefinden ausstrahlst, wird sich dein Publikum auch wohlfühlen. Bist du dagegen nervös und reagierst unsicher, wird das Publikum diese Unsicherheit spüren.

Wer die Menschen kennenlernen will, der studiere ihre Entschuldigungsgründe.

Friedrich Hebbel

Was du anstatt von „Entschuldigung“ sagen kannst

Wenn du das nächste Mal vor Publikum stehst und kurz davor bist, „Entschuldigung“ zu sagen, halte einfach inne, atme und lächle – und mache weiter so, wie du es eigentlich vorgehabt hattest.

Vor vielen Jahren wurde mir bewusst, dass ich mit den Ausdrücken „Entschuldigung“ und „es tut mir leid“ einen Redestil benutzte, der mich versehentlich in eine schwache Position brachte. Also habe ich mir alternative Ansätze für meinen Redestil angeeignet. Ich wollte direkter und klarer vermitteln und somit unter Beweis stellen, dass ich mich auch in heiklen Situationen sicher fühle. Hier sind drei Beispiele:

1. Eine Möglichkeit besteht darin, eine rationale, praktische Perspektive einzunehmen. Du stellst dich selbstbewusst vors Publikum und sagst:

„Sie werden das nicht gerne hören, aber ich muss zu meinem Plan B übergehen.“

Oder eine andere Möglichkeit:

„Das läuft nicht so wie ich mir das vorgestellt habe, aber ich werde das hinbekommen. Ich zeige ihnen jetzt wie.“

2. Ersetze das Wort „Entschuldigung“ durch „Danke“. Das kann beispielsweise so lauten:„Danke für ihr Verständnis. Ich weiß es zu schätzen, dass sie so geduldig sind. Wir haben jetzt fünf Minuten versucht das Problem zu lösen. Das reicht. Wir gehen jetzt folgendermaßen vor…“

3. Teile deinem Publikum deine Lösung klar mit. Anstatt „es tut mir leid“, kannst du sagen, „Mein Wunsch war es, ihnen mit diesem Vortrag die Vorteile der … zu vermitteln. Da die Technik nicht mitspielt und ich ihnen das Video mit Zusatzinformationen nicht zeigen kann, schlage ich ihnen vor, dass sie mir eine E-Mail schreiben, und ich werde ihnen den Link zum Video und zusätzlich ein PDF-Dokument des Vortrages zusenden. Meine E-Mail-Adresse finden sie hier auf dem Flipchart.“

Entschuldigungen können sehr verletzlich sein.

Kurt Haberstich

Schlusswort

Wenn du das nächste Mal eine Rede hältst, verwende die obige Anleitung und entschuldige dich nicht. Ich will nicht, dass du in eine Situation wie die hier drunter aufgeführt gerätst:

„Ich habe dir gesagt, du sollst dich nicht entschuldigen und was machst du, du entschuldigst dich“.

„Es tut mir leid“.

„Du entschuldigst dich schon wieder“.

„Entschuldigung“.

Eine vordergründige Entschuldigung ist eine hintergründige Ausrede.

Waltraud Putzicha

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Wenn man jemandem alles verziehen hat, ist man mit ihm fertig.

Sigmund Freud

Photo by Brett Jordan on Unsplash

2 Gedanken zu „Vergiss das Wort „Entschuldigung“, wenn du vor Publikum redest

    1. Vielen Dank Kirsten für deinen Kommentar.
      Ja, das stimmt. Es gilt nicht nur für Reden im Ehrenamt, sondern auch, wie du schreibst im „echten“ Leben.

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