Leadership nach der Feuerwehr-Methode ist falsch.

Leadership nach der Feuerwehr-Methode ist falsch.

Die Feuerwehr durchlebt augenblicklich schwierige Zeiten. Der Klimawandel mit andauernder Hitzewelle und ausgeprägter Trockenheit fordert seinen Tribut und sorgt für beträchtliche Brandeinsätze. Diese Wald- und Flächenbrände sind kräftezehrend, lang andauernd und ermüdend für alle Beteiligten.

Also, ideale Voraussetzungen, um das Sommerloch zu stopfen. Die Presse wirft Fragen auf, die in den sozialen Medien dazu führen, dass die Zahl der Feuerwehr-Experten exponentiell in die Höhe schießt. Von dieser Seite aus wünsche ich meinen ehemaligen Kameraden ein baldiges Einkehren der Normalbedingungen.

In diesem Newletter geht es darum, einen Blick auf ehrenamtliches Führen zu werfen. Ich bezeichne das vorgestellte Verfahren als Feuerwehr-Methode, denn es entspricht dem Vorgehen von Feuerwehr-Leuten. Mit anderen Worten, es handelt sich um eine Führungsstrategie, wo ständig versucht wird Feuer so früh wie möglich zu bekämpfen. Feuerwehr-Leute wissen, wie wichtig es ist Entstehungsbrände schnellstmöglich zu löschen.

Beim Führen von ehrenamtlichen Teams ist die Feuerwehr-Methode aber falsch. Wenn ich ehrlich bin, muss ich gestehen, dass ich am Anfang auch nach dieser Methode geführt habe. Ich stellte aber folgende Probleme fest:

  • Alles ist ein möglicher Notfall. Du lässt nicht zu, dass irgendetwas außer Kontrolle gerät. Daher musst du überall dabei sein, über alles Bescheid wissen, alles selbst regeln. Für dich gibt es somit überall nur Notfälle.
  • Wie erkenne ich einen Notfall, wenn er dann wirklich auftritt? Das wird mit der Zeit schwierig, da du ständig von Notfällen umgeben bist, die aber aus der Sicht anderer keine sind. Es wird auch nicht einfach, einen guten Rat von anderen zu erwarten, die wissen, dass du einfache Ereignisse immer aufbauschst.
  • Vertrauen aufbauen. Das geht, nur wenn die Führungskraft Vertrauen ausstrahlt, gepaart mit Optimismus, Leidenschaft, Respekt und Anerkennung. Jemandem der unter Kontrollzwang leidet, misstraut man eher.
  • Visionen aufbauen. Das Problem mit der Feuerwehr-Methode ist, dass hierbei die Führungskraft sich ausschließlich auf die unmittelbaren Brände fokussiert. Da bleibt keine Zeit, um Ziele und Visionen für die Zukunft festzulegen.
  • Das Negative überwiegt. Wenn du ständig nach neuen Brandherden Ausschau hältst, überall Funken erkennst, den Rauch bereits riechst, lange bevor das Feuer ausbricht, dann ist es nicht mehr weit, deinen Mitarbeitern negatives Denken und Handeln zu unterstellen.
  • Frustration beim Team. Deine Mitarbeiter werden frustriert durch deinen Mangel an Führungsqualität und Leidenschaft. Es kann sein, dass sie dich noch mögen und respektieren. Mit der Zeit wird der Moment kommen, wo sie nicht mehr akzeptieren, dass sie von dir geführt werden. Du siehst einfach viel mehr Brände, als es in Wirklichkeit gibt.
  • Ein guter Tag. Das bedeutet für dich, dass du am Abend rückblickend feststellst, was alles nicht geschah. Besser wäre es zu erkennen, was wirklich geschah, was vom Team geleistet wurde. Es bringt niemandem etwas, wenn du zufrieden durch den Tag gehst, weil es keine Feuerquelle gab. Mit dieser Einstellung verpasst du sehr viele positive Momente, die dir der Posten einer ehrenamtlichen Führungskraft anbietet.

Führung und Lernen bedingen sich gegenseitig

John F. Kennedy

Welche andere Feuerwehr-Führungseigenschaften kommen dir in den Sinn?

Herzliche Grüße,

Charles

https://charlesbrueck.com

PS: Auch wenn ich diese Führungstechnik als Feuerwehr-Methode beschreibe, bedeutet es nicht, dass Feuerwehren dementsprechend geführt werden. Das wäre fatal. Der Vergleich hat sich halt eben angeboten.

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