5 einfache Schritte, wie du als Wegbereiter im Ehrenamt erfolgreich wirst

5 einfache Schritte, wie du als Wegbereiter im Ehrenamt erfolgreich wirst

Die Reaktion auf meinen letzten Blogartikel hat mich sehr überrascht. Von vielen Lesern erhielt ich Feed-Backs, worüber ich mich sehr freute. Sie haben zu diesem Beitrag über Wegbereiter im Ehrenamt geführt. Fragen wie „kannst du mir Beispiele zu ´über den Rahmen hinausdenken´ nennen?“ oder „wie kann ich das bei mir im Verein fördern?“ und ähnliche haben mich zum Überlegen gebracht.

In diesem Artikel beschreibe ich dir, wie wir als wirkliche Wegbereiter vorgegangen sind, als wir 1996 die Idee hatten, eine Einheit für psychologische Akutbetreuung im Rettungswesen einzuführen. Ich zeige dir unsere Initiativen, wie wir verfuhren, die unvorhergesehenen Probleme, unsere Fehler, die Enttäuschungen und wie wir zielstrebig bis hin zum Startschuss des Pilotprojektes durchgehalten haben.

Du erfährst, was ich unter Ideenkiller für Wegbereiter verstehe. Ich werde dir darlegen, welches Virus wir bei unseren Gesprächspartnern bemerkt haben. Diese ganze Vorgehensweise, die sich über mehr als sechs Monate hinzog, ist ein Paradebeispiel, wie auch du in eingefahrenen Strukturen Änderungen herbeiführen kannst.

Der Club der Wegbereiter

Wir waren ein gutes halbes Dutzend Ehrenamtliche, die aktiv bei der Feuerwehr, im Rettungs- oder Bergungsdienst tätig waren. Alle hatten wir jahrelange praktische Erfahrung in den jeweiligen Bereichen. Es gab Situationen, die in unseren Augen zu diesem Zeitpunkt unhaltbar waren.

Hier nur einige Beispiele: Ein schwerer Autounfall mit Todesfolge, wo die Eltern des Verunglückten bereits am Unfallort eingetroffen sind. Nach einem Kindstod packen der Notarzt und Rettungsdienstler ihr Material ein, verabschieden sich und lassen die Eltern allein zurück. Ein Brand mit Todesfolge. Die Freundin des Verstorbenen trifft am Unglücksort ein. Schwerer Arbeitsunfall in der Nähe des Einsatzzentrums. Der Schwerverletzte ist ein guter Freund der Leute vom Einsatzteam. Die Polizei überbringt eine formelle Todesnachricht an die Eltern nach dem Suizid ihres Sohns. Anschließend verabschieden sie sich.

Das waren 1996 gängige Abläufe. Uns war es damals bewusst, dass wir daran etwas zum Besseren hin ändern wollten, ohne uns zu dem Zeitpunkt als Wegbereiter zu sehen. Unser Ziel war es, ein ehrenamtliches Team aufzubauen. Wir wollten in Fällen wie oben beschrieben oder ähnlichen, psychologische Betreuung für Betroffene in der Akutphase anbieten.

Dazu bedurfte es Überzeugungsarbeit auf verschiedenen Niveaus auszuüben. Auf der Ebene der Einsatzkräfte und deren Führungskräften, bei den offiziellen Gremien, die da waren: Zivilschutzverwaltung, Innenministerium, Notärzte, Polizei, Feuerwehrverband sowie bei verschiedenen anderen.

Über Misserfolge bis zum…

Auf unseren Vorschlag hin, eine Einheit für psychologische Betreuung in der Akutphase aufzubauen, war der Anfang des Wortlauts der Antwort bei allen Stellen gleich: „Nein, das geht nicht!“

Die anschließenden Gründe, die dagegen sprachen, hörten sich so an:

  • Das fällt nicht in unseren Kompetenzbereich.
  • Damit muss man andere Organisationen beauftragen.
  • Wir sind doch nicht Mädchen für alles.
  • Dafür fehlt uns das nötige Budget.
  • Es gibt keine Ausbildung dafür.
  • Das ist nicht unser Gebiet. Wir wollen keine Fehler machen.
  • Wenn wir sowas Ähnliches aufbauen wollen, benötigen wir vorher eine Studie…

Es war egal, wo wir hinkamen und vorsprachen, der Refrain war der gleiche: „Das geht nicht!“ Jedes Mal, wenn wir diese Antwort hörten, waren wir frustriert, genervt und es ärgerte uns. Wir waren aber so sehr von der Wichtigkeit und Nützlichkeit der Umsetzung dieser Idee überzeugt, um nicht davon abzulassen. Es war eher so, dass diese Niederlagen uns inspirierten, kreativer zu werden. Zu diesem Zeitpunkt realisierten wir, dass wir Wegbereiter sind. Für uns stellte sich das folgende Zitat

„Auch Außenseiter sind Wegbereiter.“                

Marion Gitzel

eher als „Wegbereiter sind Außenseiter“ dar.

Wir setzten uns also hin und überlegten, wie wir das erreichen könnten, was sich für uns als wesentlich und richtungsweisend erwies. Heraus kam ein Ablauf in fünf Etappen, den ich dir hier beschreibe:

1. Akzeptiere, Fehler zu begehen, sie zu erkennen und weiterzumachen

Wegbereiter zu sein bedeutet, zielstrebig zu handeln, ohne die Konsequenzen zu fürchten. Also zu akzeptieren, falsch zu sein, daneben zu liegen, sich Konfrontationen zu stellen, sich Ablehnungen zu widersetzen.

Uns war es wichtig, weiter dran zu bleiben, uns bewusst zu machen, zu scheitern, uns zu erheben und uns durch vergangene Fehler nicht lähmen zu lassen.

Wir setzten uns zusammen und fingen an, die begangenen Fehler zu bewerten. Die Art und Weise, wie wir vorgegangen waren, verlief für uns nicht nach Wunsch. Uns wurde deutlich, wir sind so sehr in diese Idee verliebt, dass wir alles andere aus den Augen verloren hatten. So als hätten wir Scheuklappen auf, die uns daran hinderten, zu sehen, was für Außenstehende sehr klar war, nur nicht für uns.

Wir stellten fest, dass es bei unseren Ansprechpartnern eine gewisse Angst vor Veränderungen gab. Dieser Eingriff, den wir vorschlugen, war nun mal eine Innovation. Die Gegenseite war aber nicht gewillt, den Status quo zu verlassen. Ja, wir sind alle Gewohnheitstiere und schätzen die Beständigkeit der Routine. Innovation bricht normalerweise diese Routine und kann sich manchmal wie eine Bedrohung anfühlen.

Glücklicherweise wurde uns offensichtlich, dass unser Scheitern nicht den Wert unserer Idee infrage stellte. Im Gegenteil, es zeigte uns, dass wir es gewagt hatten und dass wir in der Zwischenzeit äußerst wertvolle Lektionen gelernt hatten.

Dies ist ein gemeinsames Merkmal, das Wegbereiter besitzen. Der Erfinder der Glühbirne und des Phonographen, Thomas Edison, ist bekannt für seine unerbittliche Ausdauer. Es wird gesagt, dass Edison Tausende von Möglichkeiten ausprobiert hat, um die elektrische Glühbirne zu entwickeln, bis es ihm schließlich gelang. „Ich habe nicht versagt“, witzelte er einmal, „ich habe gerade 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren.“

2. Wechsele die Perspektive!

Unseren Standpunkt zu ändern war für uns eine besonders herausfordernde Angelegenheit, auf die wir bei unseren Gesprächen gestoßen sind. Wir waren ja alle aktive Freiwillige. Uns wurde beigebracht, sich an die Regeln zu halten, anstatt sie zu brechen. Sich zurückzuhalten und in den Reihen zu bleiben, anstatt aufzufallen, sich entgegenzustellen.

Hier merkten wir ganz klar, wir stehen mit unseren Vorschlägen in der Opposition. Da war die Versuchung groß, in die Rolle „wir gegen sie“ zu fallen. Stattdessen haben wir entschieden, uns die Argumente der Gegenseite genauer anzusehen und zu analysieren. Begonnen haben wir damit, auszuwählen, was uns an der Perspektive der Gegenseite gefiel.

Wir erkundigten uns und versuchten, eine bessere Vorstellung von deren Sichtweise zu erlangen. Somit konnten wir unsere Ansicht neu formulieren.    

Wir stellten ebenfalls fest, dass viele derjenigen, die sich unserer Idee kategorisch widersetzten, negativ oder widerstandsfähig waren. Es waren Leute, die eher besorgt oder ängstlich waren. Manche hatten Vorurteile. Unabhängig davon versuchten sie, uns davon abzuhalten oder uns daran zu hindern.

Unsere Devise für die nächsten Monate hieß sofern: Nicht aufgeben!

3. Setze dir Ziele!

Der nächste Schritt, der für uns anstand, war der, aus unserer Idee, ein klares Ziel zu formulieren. Wir benutzten dafür die SMART-Methode, die herausfordernde Ziele erreichbar macht. Damit konnten wir unseren Fortschritt verfolgen und bei Bedarf Anpassungen vornehmen. Dabei bedeuten die Buchstaben:

Spezifisch,

Messbar,

Aktiv beeinflussbar,

Realistisch,

Terminiert.

Weitere Erklärungen zu dieser Methode findest du hier.

Die SMART-Methode ist einfach und trotzdem sehr wirkungsvoll, um sich hohe Ziele zu setzen und sie zu erreichen. Für unser kleines Team klärte sich somit auf, was wir in den kommenden Wochen und Monaten erledigen müssten, um unser gesetztes Ziel zu erreichen.

Die Qualität unserer Ziele bestimmt die Qualität unserer Zukunft.

Josef Schmidt

4. Streue deine Ideen aus

Wir entschlossen daraufhin, unser Ziel, der Aufbau einer psychologischen Notfallbetreuung im Rettungsdienst, weitläufig zu streuen. Für die jüngeren Leser dazu eine kurze Info: 1996 gab es die heutigen Möglichkeiten wie Facebook, Instagram, Twitter usw. noch nicht.

Wir erstellten eine Auflistung aller Argumente, die unserer Meinung nach für die Zustimmung unserer Idee sprachen. Berufen haben wir uns dabei auf die für uns fadenscheinigen Argumente, denen wir in den Gesprächen begegneten. Dabei passten wir die Formulierungen den einzelnen Gesprächspartnern an. Uns war bewusst, dass unsere Aussagen bei den Zuhörern positiv mitschwingen mussten.

Wir suchten konkrete Beispiele, wo solche Strukturen im Ausland bereits funktionierten und nahmen Kontakt mit diesen Verantwortlichen auf. Aus diesen Informationen konnten wir uns ein Bild machen, wie man dort vorging, was erreicht wurde und wie die Akzeptanz aussah.

Wir haben anschauliche Beispiele aus unserer Einsatzpraxis vorgelegt und die Vorteile aufgezählt, wie eine psychologische Betreuung in solchen Notfällen eingebunden werden könnte. Somit hatten wir die Möglichkeit, einleuchtend auf die Nutzeffekte für alle Beteiligten einzugehen.

Die Vorgehensweise, bei allen möglichen Gelegenheiten unsere Gedanken zu streuen, verfehlte ihr Ziel nicht. Die Idee machte die Runde unter den Freiwilligen und darüber hinaus. Natürlich gab es Kritiken, positive, meistens aber negative. Ausschlaggebend für uns war, dass die Idee des Projektes nach außen bekannt und zum regelmäßigen Gesprächsthema wurde.

5. Unser Impfstoff gegen das „Ja, aber“-Virus

Nachdem wir für den Herbst 1996 weitere Unterredungen mit den Verantwortlichen vereinbaren konnten, stellten wir Änderungen in deren Verhalten fest. Da wir unsere Lektionen gelernt hatten, waren wir jetzt viel besser vorbereitet.

Wir trugen unsere Argumente in einer sachlicheren Form vor, unterlegt mit konkreten Beispielen, Aussagen und ersten Studien aus dem Ausland. Wir konnten die Wertschätzung unserer Gesprächspartner gegenüber uns Wegbereitern spüren. Was uns aber erschreckte, war immer noch das „Ja, aber“-Virus, von dem sie befallen schienen. Auf jedes Argument, Aussage oder Vorschlag, die wir anmeldeten, begann die Antwort mit: Ja, aber…

… das haben wir nicht vorgesehen,

… wir haben nicht die nötigen Kompetenzen dazu,

… das ist nicht im Finanzierungsplan vorgesehen,

… damit sind die Einsatzkräfte nicht einverstanden,

… das müssten wir intern noch klären,

… das geht jetzt aber viel zu schnell,

… wir möchten uns verschiedene Möglichkeiten offenhalten,

Da wir dieses Virus ja bereits in den vorangegangenen Treffen erfahren hatten und uns genau darauf vorbereiteten, konterten wir fast immer mit durchdachten Empfehlungen, Hinweisen, Vorlagen und Verweisen. Unsere Mühe, die Willenskraft gepaart mit Ausdauer zahlte sich aus.

… zur Zielerreichung der Wegbereiter

Unser dynamisches Team bekam grünes Licht, ab dem 1. Januar 1997, unser gesetztes Ziel, als Pilotprojekt anlaufen zu lassen.   

Wir hatten den wichtigen ersten Schritt in Richtung unseres Ziels erreicht, weil wir als kleines Team von einer Idee überzeugt waren. Wir setzten alles Mögliche dran, um zu einem positiven Resultat zu gelangen. Es hat eine gewisse Zeit in Anspruch genommen, bis wir herausfanden, wie wir wirkungsvoll vorgehen sollten, um unser gestecktes Ziel zu erreichen.

Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.             

Hermann Hesse

Rückblickend kann ich behaupten, dass etwas Neues wagen auch immer mit Grenzen überschreiten, Komfortzone verlassen und Selbstwert stärken zu tun hat. Es bedeutet für alle Beteiligten auch immer Veränderung.

Übrigens, die „Groupe de Support Psychologique“ gibt es immer noch und wird in zwei Jahren ihr 25-jähriges Bestehen feiern. In den aktuellen Zeiten sind ihre Dienste mehr denn je gefragt. Wenn du Interesse daran hast, dich aktiv in dieser Gruppe zu engagieren, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Die GSP sucht momentan neue ehrenamtliche Mitglieder.

Wenn du ebenfalls Ideen hast, die du gerne umsetzen möchtest, auch wenn sie noch so schräg aussehen sollten, dann schau dir dieses Video an. Es ist ein TED-Vortrag von Cawa Younosi, Personalchef von SAP. In seinem Referat geht es um die Kultur der Kreativität und des Vertrauens in einem Unternehmenskontext und wie man es schafft, dass sich Mitarbeiter trauen, über ihren Schatten zu springen?

Eine Sache, wie ich finde, was sehr gut zum Thema dieses Artikels passt. 

25 Killerphrasen, die wir als Wegbereiter kennenlernen durften

Abschließend will ich dir als Vorbereitung auf ein eventuelles angehendes Projekt 25 Killerphrasen aufzeigen, denen wir begegnet sind:

1. Wir haben keine Zeit.

2. Es sind dafür keine Mitarbeiter verfügbar.

3. Übrigens, das wird unseren Kunden nicht gefallen!

4. Das ist für die spätere Zukunft.

5. NEIN!

6. Es ist nicht möglich.

7. Es ist übrigens zu teuer!

8. Seien wir realistisch.

9. Das ist doch nicht logisch.

10. Wir müssen eine Studie dazu anfragen.

11. Es gibt kein Budget.

12. Ich bin dafür nicht kreativ genug.

13. Wir wollen keine Fehler machen.

14. Das Management wird nicht zustimmen.

15. Werden Sie vielmehr real.

16. Es liegt nicht in meiner Verantwortung.

17. Es ist zu schwer zu meistern.

18. Das ist soweit eine zu große Veränderung.

19. Seit wann sind Sie der Experte?

20. Lassen Sie es uns in Betracht ziehen.

21. Es ist doch nicht Weihnachten.

22. Die ältere Generation wird es nicht benutzen.

23. Dafür sind wir zudem zu klein.

24. Es könnte an anderen Orten funktionieren, aber nicht hier.

25. Wir können nicht alles machen.

Ich wünsche dir als Wegbereiter viel Glück bei der Vorbereitung zur Umsetzung deiner Ideen.

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Photo by Carl Heyerdahl on Unsplash

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