Bist du die Schildkröte oder eher der Hase im Ehrenamt?

Bist du die Schildkröte oder eher der Hase im Ehrenamt?

Kennst du Äsops Fabel vom Wettlauf zwischen der Schildkröte und dem Hasen? Wenn nicht, hier kannst du sie lesen:

Eine Schildkröte wurde wegen ihrer Langsamkeit von einem Hasen verspottet. Trotzdem wagte sie es, den Hasen zum Wettlauf herauszufordern. Der Hase ließ sich mehr aus Scherz als aus Prahlerei darauf ein.

Es kam der Tag, an dem der Wettlauf stattfinden sollte. Das Ziel wurde festgelegt und beide betraten im selben Augenblick die Laufbahn. Die Schildkröte kroch langsam und unermüdlich. Der Hase dagegen legte sich mit mächtigen Sprüngen gleich ins Zeug, wollte er den Spott für die Schildkröte doch auf die Spitze treiben. Als der Hase nur noch wenige Schritte vom Ziel entfernt war, setzte er sich schnaufend ins Gras und schlief kurz darauf ein. Die großen Sprünge hatten ihn nämlich müde gemacht. 

Doch plötzlich sah sich der Hase vom Jubel der Zuschauer geweckt, denn die Schildkröte hatte gerade das Ziel erreicht und gewonnen.

Der Hase musste zugeben, dass das Vertrauen in seine Schnelligkeit ihn so leichtsinnig gemacht hatte, dass sogar ein langsames Kriechtier ihn mit Ausdauer besiegen konnte.

Diese Fabel erinnert mich an ein Gespräch, das ich mit einem Leichtathletiktrainer führte. Er erzählte mir von zwei Läufer, die das gleiche Ziel hatten: an einem Marathon teilnehmen und ihn so schnell wie möglich beenden.

Einer dieser Sportler war ein Sprinter. Er hat sich zum Rennen eingeschrieben. Für den Startschuss steht er in der ersten Reihe. Er setzt all seine Energie von Anfang an ein – genau wie ein Gepard. Er gibt alles, lässt sein Potenzial förmlich explodieren. Aber nur für kurze Zeit – auch wieder wie der Gepard.

Nur: ein Marathon dauert wesentlich länger. Nach 300 Metern führt der Sprinter das Feld bereits mit einem gewissen Vorsprung an. Nach 2 Kilometern ist er letzter. Er ist außer Atem und gibt das Rennen auf.

Der Marathonläufer macht es wie die Schildkröte

Im Nachhinein erzählt er jedem, Marathon sei nichts für ihn, aber er habe alles gegeben. Und das stimmt auch. Dieser Sprinter hat alles gegeben, aber auf die falsche Art und Weise.

Als mir der Trainer das erzählte, konnte ich Parallelen zum Ehrenamt ziehen. Auch dort gibt es einen nützlichen Weg und einen anderen, um sich an einem Projekt zu beteiligen. Und auch hier stimmen Sport und Ehrenamt überein: Wenn du dich auf die falsche Weise engagierst, erhältst du oft Ergebnisse, die du nicht wolltest. Dich einbringen allein reicht nicht aus. Dein Engagement muss über die Dauer des Projekts Bestand haben.

Doch lass uns den zweiten Läufer näher betrachten. Er hat einen anderen Weg eingeschlagen, sich zu engagieren. Er trainiert täglich über einen Zeitraum von mehreren Monaten, nach einem festen Plan, damit er ein Läufer wird, der einen Marathon nach über 42 Kilometern beendet.

Am Anfang ist man der Meinung, dass er nicht genug macht. Jeder ist der Auffassung, er ist nicht sehr motiviert, ihm fehle die nötige Power. Er vermittelt den Eindruck, dass er nicht die Art von Person ist, die bis zum Ende gehen wird. 

Der Marathonläufer hat ein Ziel, genau wie die Schildkröte

Und trotzdem ist genau er es, der den Marathon in einer guten Zeit beendet. Und darauf kommt es an! Wie bei der Schildkröte.

Er hat sich einen Spielraum für weitere Fortschritte aufgebaut. Das wird ihm mit Sicherheit ein Ergebnis liefern. Wenn du aber zu sehr ergebnisorientiert bist, dann kann es dich zum Versagen führen.

Das widerspricht dem, was man in der Persönlichkeitsentwicklung lernt: ´Du musst wissen, wo du hinwillst´. Was dabei aber oft vergessen wird, ist Folgendes: Jetzt wo du weißt, was du willst, gibt es viele Hürden, die du überwinden musst, um dahin zu gelangen. Das wird Zeit und Aufwand in Anspruch nehmen. Vorteilhaft ist es, ebenfalls den Weg dahin zu kennen, genauso wie später das Ergebnis.

Jede Stufe, die du schaffst, ist ein Sieg, der dich näher zu dem bringt, was du dir wünschst. Dich deinem Ziel nähern bedeutet nicht, es mit einem Sprint in Rekordzeit zu erreichen.

Das Problem des Sprintersyndroms ist, dass es dich sehr oft daran hindert, aus der Lehre deines Versagens Nutzen zu ziehen. Die Enttäuschung ist so groß, dass du es vorziehst, aufzugeben und dich einer anderen Aktivität zuwendest, mit Handlungen, in denen du das gleiche begrenzte Schema, dann wiederholst.

Im Grunde genommen erreicht der Sprinter nie große Projekte des Lebens. Er befindet sich noch mit 40 Jahren auf der Suche nach dem, was zu ihm passen würde.

Das Sprintersyndrom ist ein den Menschen begrenzenden Glaubenssatz. Kennst du solche Situationen:

  • Du meldest dich im Fitnesscenter an, gibst aber bereits nach drei Wochen wieder auf.
  • Du bist motiviert und willst abnehmen. Nach einer Woche bist du wieder bei deinen alten Essgewohnheiten.
  • Willst du alles, und zwar sofort?

Was kannst du tun, um nicht in diese Falle zu tappen?

Das Ziel besteht darin, sicherzugehen, dass du dir Raum für kontinuierliche Verbesserungen schaffst. Um vom Sprintersyndrom wegzukommen, musst du dir die Philosophie des Langstreckenläufers, des Marathonläufers (der Schildkröte) aneignen. Dazu passt folgende Zitat sehr gut:

Wenn du es eilig hast, gehe langsam.

Lothar Seiwert

Es geht darum, dir bewusst zu machen, dass diese kräftige Energie, dieser punktuelle, totale Einsatz des Sprinters, umgewandelt werden soll und sich über eine längere Dauer verteilen kann. Hier sind einige Optionen, welche direkt aus meinen persönlichen Erfahrungen hervorgehen:

1. Erstelle einen Aktionsplan

Ein Sprinter hat keinen präzisen Aktionsplan. Er sieht erst mal das zu erreichende Ziel. Er hat schon diese langfristige Vision, aber er ist weniger darin talentiert dieses Ziel in Unterziele zu zerlegen. Vom Entschluss, einen Marathon zu laufen, bis zu dem Tag, wo du den Zielstrich überschreitest, gibt es, während Monaten, eine ganze Serie von Dingen zu erledigen, die zu einer optimalen Vorbereitung gehören. Als Sprinter musst du erkennen, dass die einzelnen Zwischenstufen wichtig und unverzichtbar sind. Du musst lernen, die kleinen Erfolge unterwegs zu feiern, um auf dem Rest des Weges erfolgreich zu bleiben.

2. Peile immer den nächsten Fortschritt an

Egal von welchem Niveau du beginnst, du hast eine Steigerungsrate, die am Anfang stärker ist. Das ist normal. Sich perfektionieren nimmt mehr Zeit ein, als sich mit etwas vertraut zu machen. Achte auf die Zwischenerfolge auf dem Weg zum Gelingen und nicht nur an den Erfolg am Zielstrich. Das stabilisiert deine Motivation.

3. Lerne, um Hilfe zu bitten

Der Sprinter ist der Meinung, dass es schneller gehen wird, wenn er alles selbst erledigt, wie ein Experte. Das stimmt für kleine Dinge, die man regelmäßig macht. Bei längeren Projekten beraubt er sich aber auf diese Weise der Energie, die im Miteinander steckt. Dieses afrikanische Sprichwort umschreibt es sehr gut:

„Wenn du schnell gehen willst, dann gehe allein. Wenn du weit gehen willst, dann musst du mit anderen zusammen gehen.“

4. Genieße den gegenwärtigen Moment

Indem du dich ausschließlich auf deine Ergebnisse konzentrierst, vergisst du, dass der einzige Moment, in dem du tatsächlich lebst, die Gegenwart ist. Gestern ist vorbei und morgen ist noch nicht da. Wie sagte bereits Georg Friedrich I. „Alles zu seiner Zeit“. Ich schließe mich dem an mit folgendem Satz: ´Alle Sachen zu ihrer Zeit, eine Zeit für jede Sache.´

Die Macht eine bessere Zukunft zu schaffen liegt in der Gegenwart: Du erschaffst eine gute Zukunft, indem du eine gute Gegenwart erschaffst.

Eckhart Tolle

Schlussfolgerung

Wenn du vom Sprintersyndrom betroffen bist, ist deine Absicht nicht schlecht. Du wünschst dir nur, schneller weiterzukommen. Wieso auch nicht? Wenn du diese Einstellung, d. h. schneller ankommen, bei größeren Projekten anwenden willst, so sei dir bewusst, dass du lernen musst:

–              mit deiner Impulsivität, die dich charakterisiert, umzugehen,

–              deine Produktivität auf Dauer zu verbessern,

–              deine Ziele in Zwischenziele aufzuteilen. Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut,

–              kleine Erfolge zu feiern, denn diese werden dich hinführen zum großen Ziel.

Sei dir aber auch bewusst, dass das Sprintersyndrom tief in dir verankert ist. Es wird auch in Zukunft von Zeit zu Zeit immer wieder auftauchen. Aber du wirst dir immer öfter bewusst werden, wann es auftaucht. Dann denke daran:

Beeile dich langsam

Die Idee dahinter ist, dass du die guten Seiten des Sprintersyndroms beibehalten sollst. Diese Kapazität schnell ins Handeln zu kommen, ohne abzuwarten. Das ist ein Talent, wofür du beneidet wirst. Der Rahmen aber, wo dieses Talent seine ganze Größe ausdrücken kann, ist die Disziplin und ein durchdachter Aktionsplan.

Es gibt viele wichtige Dinge im Leben die Zeit abverlangen und die in kleinen Schritten ausgeführt werden müssen, auf die Gefahr hin, dass sie sonst nicht ausgeführt werden.

Behalte die Marathonmethode im Kopf, um deine wichtigen Ziele zu vollenden. Und erinnere dich, dieses Problem haben nicht wir erfunden… Äsops Fabel von der Schildkröte und dem Hasen wurde vor mehr als 2000 Jahren geschrieben. Sie gibt der Schildkröte recht:  Eile mit Weile!

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Bild von Luca Ambrosi auf Unsplash

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