3 Sätze, die mir geholfen haben, negative Kritik besser zu akzeptieren

3 Sätze, die mir geholfen haben, negative Kritik besser zu akzeptieren

Dies ist die Fortsetzung meines Artikels „Kritiken im Ehrenamt, ja das gibt es.“ Egal wie du dich anstellst, negative Kritik begleitet dich. In dieser kurzen Geschichte wird das eindeutig dargestellt:

Ein Vater zog mit seinem Sohn und einem Esel in der Mittagsglut durch die staubigen Gassen von Keshan. Der Vater saß auf dem Esel, den der Junge führte.

„Der arme Junge“, sagte da ein Vorübergehender. „Seine kurzen Beinchen versuchen mit dem Tempo des Esels Schritt zu halten. Wie kann man so faul auf dem Esel herumsitzen, wenn man sieht, dass das kleine Kind sich müde läuft.“

Der Vater nahm sich dies zu Herzen, stieg hinter der nächsten Ecke ab und ließ den Jungen aufsitzen.

Gar nicht lange dauerte es, da erhob schon wieder ein Vorübergehender seine Stimme: „So eine Unverschämtheit. Sitzt doch der kleine Bengel wie ein Sultan auf dem Esel, während sein armer, alter Vater daneben herläuft.“

Dies schmerzte den Jungen und er bat den Vater, sich hinter ihn auf den Esel zu setzten.

„Hat man so was schon gesehen?“ keifte eine Frau, „Solche Tierquälerei! Dem armen Esel hängt der Rücken durch, und der alte und der junge Nichtsnutz ruhen sich auf ihm aus, als wäre er ein Diwan. Die arme Kreatur!“

Die Gescholtenen schauten sich an und stiegen beide, ohne ein Wort zu sagen, vom Esel herunter.

Kaum waren sie wenige Schritte neben dem Tier hergegangen, machte sich ein Fremder über sie lustig: „So dumm möchte ich nicht sein. Wozu führt ihr denn den Esel spazieren, wenn er nichts leistet, euch keinen Nutzen bringt und noch nicht einmal einen von euch trägt?“

Der Vater schob dem Esel eine Hand voll Stroh ins Maul und legte seine Hand auf die Schulter des Sohnes.

„Gleichgültig, was wir machen“, sagte er, „es findet sich doch jemand, der damit nicht einverstanden ist. Ich glaube, wir müssen selbst wissen, was wir für richtig halten.“

Frei nach: „Der Kaufmann und der Papagei“ von Nossrat Peseschkian.

Negative Kritik ist fast unvermeidlich

Dieses Gleichnis zeigt, dass unabhängig von der Situation, in der sich Vater und Sohn befinden, sie immer wieder jemanden antreffen, der kritisiert, der kommentiert, oder sich ereifert, seine Meinung dazu abzugeben.

Aus dieser Erzählung liest man heraus, dass es für die große Mehrheit der Menschen in ihrer Natur liegt, zu urteilen, zu kritisieren, ihre Meinung preis zu geben.

Negative Kritik ist fast unvermeidlich, wenn du im Ehrenamt in einer Führungsposition tätig bist. Egal wie engagiert du bist und wie hart du arbeitest, um Hilfsbedürftigen zu helfen, es finden sich immer wieder Leute, die dein Handeln kritisch betrachten.

In der Tat trifft negative Kritik direkt unser Ego. Sie macht auf vergangenes Versagen aufmerksam genauso wie auf unsere Schwächen. Das führt uns unbewusst dazu, sie mehr oder weniger direkt als eine regelrechte Aggression abzustempeln, wenn man ihr ausgesetzt ist.

In meinem vorigen Artikel habe ich beschrieben, wie du mit Kritik im Ehrenamt umgehen kannst. In diesem Beitrag gebe ich dir drei Sätze mit auf den Weg, über die ich nachdenke, wenn ich eine negative Kritik erhalte, um bestmöglich damit umzugehen.

1. Satz: „Für diese negative Kritik muss es einen guten Grund geben.“

Wie gut auch immer wir unsere Arbeit verrichten, es gibt allemal Besserwisser, die uns kritisieren. Abhängig von der Kritik, die an einen gerichtet wurde, hatte ich jedenfalls Probleme im Umgang damit, besonders wenn ich die erhaltenen abschlägigen Kritiken nicht für richtig hielt. Sie beeinträchtigten für Momente mein Leben negativ, bevor ich diesen Satz fand: „Für negative Kritik muss es einen guten Grund geben.“ Diese einfache Aussage hat mir einerseits erlaubt meine Reaktionen, die auf Zorn aufbauten, zu verändern und andrerseits eröffnete sie mir neue Perspektiven.

Niemand – oder fast niemand – setzt es sich zum Ziel, Angst, Frustration oder Befangenheit bei anderen auszulösen. Aber heftige Kritik entsteht auch nicht aus dem Nichts heraus. Mit dem Satz „Es muss einen guten Grund geben“ erfährst du Mitgefühl, ein friedenstiftendes und empathisches Empfinden gegenüber dem Kritiker. Es eröffnet dir ebenfalls die Neugier, die negative Kritik nicht nur oberflächig zu betrachten. Du verstehst die tieferen Bedürfnisse bei dem anderen. Somit reagierst du geduldiger und legst dich nicht gleich auf voreilige Schlussfolgerungen fest.

Beginne im Anschluss an eine negative Kritik mit der Überlegung „Es muss einen guten Grund geben warum die Leute das tun, was sie tun“. Es ist vorteilhafter sowohl für dich als auch für die andere Person. Es ist ein einfacher Merksatz, den du leicht bei jeder Situation, wo du negative Gefühle bei dir feststellst, hervorrufen kannst.

2. Satz: „Negative Kritik entspricht dem Spiegelbild eigener Unsicherheit.“

Ich beschäftigte mich lange Zeit mit meinem Umgang in Bezug auf negative Kritik. Mir kam als Problemlösung in den Sinn, mein Verhalten, in Bezug auf meine Mitmenschen, so zu ändern, dass diese keine Ursache mehr hätten, mich zu kritisieren. Diese Idee habe ich allerdings schnell wieder aufgegeben. Es jedem gerecht machen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Da passt das Zitat von Franz Josef Strauß sehr gut:

Wer everybody´s Darling sein möchte, ist zuletzt everybody´s Depp

Franz Josef Strauß

Über längere Zeit machte sich eine neue Einsicht bei mir bemerkbar. Diejenigen, die kritisieren, spiegeln sehr oft in ihrer Kritik etwas, was ihnen in ihrem Leben fehlt oder was sie in ihrem persönlichen Weltbild nicht haben.

Oft zeigt eine Kritik, was die Leute wollen oder brauchen würden, es aber noch nicht geschafft haben, es zu erlangen. Gewöhnlich verstehen sie nicht, was sie dort festhält, wo sie gerade im Leben stehen.

Marshall Rosenberg formulierte es folgendermaßen: „Jede Kritik ist der tragische Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses“. Kritik aus diesem Blickwinkel anzuschauen, ermöglicht einen besseren Umgang mit ihr.

Jede Kritik ist der tragische Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses

Marshall Rosenberg

Diese Einsicht bedeutet aber nicht, dass ich jedes aggressive Verhalten mir gegenüber dulde. Meine Antwort fällt aber oft zuvorkommender und weniger anklagend aus. Nicht immer, aber oft vermindert dies die heftige Reaktion des Kritikers, weil er bemerkt, dass sein Verhalten unangepasst ist.

Jeder Narr kann kritisieren, verurteilen, reklamieren – und die meisten Narren tun es auch. Aber um zu verstehen und zu verzeihen – dazu braucht es Charakter und Selbstbeherrschung.

Dale Carnegie

3. Satz: „Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung.“

Bis diese offensichtlich richtige Information, die in diesem dritten Satz liegt, zur Gewöhnungsreaktion wird, brauchte es bei mir einige Zeit.

Anfangs hatte ich den Wunsch immer jeden auf meiner Seite zu haben, jeden von meiner Meinung zu überzeugen. Ich versteckte oft meine Reaktion, wenn jemand nicht mit mir einverstanden war.

Besonders aber half mir dieser Satz, Kritik nicht mehr so persönlich zu nehmen und mich nicht mehr so stark davon beeinflussen zu lassen. Seitdem sind meine Selbstzweifel, im Anschluss an eine Kritik verschwunden und ich kann solche Angriffe einfacher ins Leere laufen lassen.

Diese drei Leitsätze sollten über längere Zeit regelmäßig angewendet werden. Erst dadurch können sie inneren Frieden geben und sehr viel Zeit und Energie freisetzen, die dann für nützlichere Aktivitäten zur Verfügung steht.  

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Photo by Wim van ‚t Einde on Unsplash

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