Woran du erkennst, ob du eine Auszeit vom Ehrenamt brauchst.

Woran du erkennst, ob du eine Auszeit vom Ehrenamt brauchst.

Familie, Job und dazu noch aktives Ehrenamt, das ist ein volles Programm. Eine Auszeit kommt dir dabei nicht in den Sinn. Du bist vom Charakter her jemand,

  • der immer alles gibt,
  • der die Kerze an beiden Enden anzündet,
  • der umsetzt, was er sich vorgenommen hat,
  • der tut, was er sagt.

Und das bereits seit Jahren!

Es gibt Leute, die ihr ganzes Leben so ausfüllen und sich dabei wohlfühlen. Für andere führt das mit der Zeit zur Katastrophe. Normen sind hilfreich als Richtlinien, aber es ist riskant alle Menschen über einen Kamm scheren zu wollen. Besonders, wenn es um Arbeit, Sport, Familie, Ehrenamt und das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung geht. Alle Menschen sind verschieden, nicht nur in ihrem Aussehen, oder ihrem Handeln.

Ich habe Freunde, die ganz selten in Ferien fahren. Andere brechen mehrmals im Jahr auf, um Urlaub zu machen. Bei allen ist es keine Frage des Geldes und sie leben alle einen natürlichen Lebensstil.

Einige Kollegen leisten sich regelmäßig freie Tage, andere tun das, wenn es sich ergibt. Es gibt welche, die viel dienstlich im Ausland unterwegs sind, andere überhaupt nicht.

Du und dein Umfeld – 3 Faktoren, die einen großen Unterschied ausmachen.

Du erkennst, was ich meine. Es gibt keinen Leitfaden, keine Formel, die dir vorschreibt wie oft, wie viel und wann du eine Pause einlegen solltest, eine Auszeit nehmen sollst. Das musst du schon selbst herausfinden.

Aber es gibt einige sichere Anzeichen dafür, dass du eine Auszeit brauchst. Oder im schlimmsten Fall sogar die Erkenntnis einer kompletten Umstellung wie du mit deinem Leben, deiner Arbeit und deinem Ehrenamt in Zukunft umgehen sollst.

Du solltest wissen, verstehen und einschätzen, wie du dich in deiner Arbeit, Familie und im Ehrenamt siehst. Da kein Leitfaden besteht, gibt es eine unerschöpfliche Anzahl von Kombinationen von Arbeitsumgebungen und persönlichen Verstrickungen. Jede einzelne Verknüpfung benötigt eine leicht verschiedene Antwort. Lass mich dir meine Überlegungen erklären.

1. Die Größe deiner inneren Batterie

Jeder funktioniert anders. Ich habe Freunde, die pfeifen auf den besten Energiedrink. Die wuseln wie der Hase in der Duracellwerbung den ganzen Tag über und das jeden Tag. Die besitzen eine endlose Energie. Das sind die Draufgänger, die alles umgehend erledigen, die aufgabenorientiert sind und schnell umsetzen. Diese Leute besitzen meistens eine starke Persönlichkeit und man fühlt sich zu ihnen hingezogen.

Diese Leute brauchen Zeiten, wo sie ihre inneren Batterien wieder aufladen müssen und sie nehmen sich diese Zeit auch. Einige tun das mit Lesen oder mit Musik hören, mit spazieren gehen, oder den Garten pflegen. Es gibt unzählige Möglichkeiten und diese Menschen haben die richtigen für sich gefunden.

Ich habe andere Freunde, die als gute Führungskräfte im Ehrenamt, oder in ihrem Job, bekannt sind, die das alles etwas langsamer, methodischer angehen. Sie sind sehr wirkungsvoll in ihren Ausführungen. Sie haben gelernt, worin sie gut sind und wie sie entschleunigen können z.B. indem sie die Aufgaben, die sie nicht so gut beherrschen, delegieren.

2. Das Allgemeinbefinden deiner Organisation.

Alle ehrenamtlichen Organisationen haben ihre Stärken und Schwächen. Es gibt welche, die besser funktionieren, die leistungsfähiger sind als andere. Leider gibt es aber auch toxische Organisationen, wo das Engagement Auswirkungen auf das persönliche Gesamtwohlbefinden haben kann. Sich bewusst sein über das ehrenamtliche Umfeld ist wichtig, um den Bedarf an Pausen und an Batterieaufladezeiten zu erkennen.

Solide Teams in gesunden ehrenamtlichen Strukturen sorgen für ein optimales Gleichgewicht. Sie unterstützen es, dass man anspruchsvolle Gespräche führt und sich mit schwierigen Situationen konfrontiert. Sie üben das dann mit Herzlichkeit und Respekt aus.

In solchen Strukturen findest du Leader, die dir zuhören, die in die Weiterentwicklung der Mitarbeiter investieren und mehr für dich wollen, als sie von dir wollen. Sie sind fokussiert auf die Vereinsmission, auf klare Visionen, sie lösen Probleme und arbeiten viel und hart. Sehr wichtig ist, dass sie wissen, es gibt auch Zeiten zum Spielen, zum Lachen, zum sich amüsieren.

Wie ist dein ehrenamtliches Team aufgestellt? Fühlst du dich ausgelaugt oder werden deine Energiebatterien dort aufgeladen?

3. Dein Niveau an Selbstbewusstsein.

Wie gut du dich selbst kennst, hat eine bedeutende Tragweite auf die Fertigkeit, wie du deinen Bedarf an Auszeiten erfasst.  

Wie sehr beeinflusst dich deine Familie? Wirst du gut fertig mit deinen Gefühlen oder machen sie dich fertig? Bestätigen dir andere, dass deine Talente und Fähigkeiten ausreichen, um Verantwortung als Führungskraft zu übernehmen? Besitzt du den richtigen Sinn dafür, wie andere dich wahrnehmen? Kannst du dich als Teamleiter verbessern?

Deine Antworten auf diese persönlichen Fragen, verbunden mit dem Wohlbefinden in deiner Organisation sind wesentlich, um deinen wirklichen Bedarf an Ruhepausen zu verstehen, die du einlegen musst, wenn die Ruhe fern und der Druck hoch ist.

Selbstbewusstsein bedeutet, sich selbst bewusst zu sein und nicht, sich selbst zu lieben

Damaris Wieser

Wenn du die oben aufgeführten drei Faktoren gut im Griff hast, kannst du die folgenden fünf Hinweise besser angehen.

Fünf sichere Zeichen, dass du eine Auszeit benötigst.

1. Du hast deine Leidenschaft verloren.

Wenn du weißt, wie wichtig die Mission und die Vision deines Vereins wirklich ist, aber dein Herz nicht mehr so brennt, wie noch vor einiger Zeit, dann brauchst du eine Neuausrichtung. Wenn du deine ehrenamtlichen Aufgaben ohne positive Gefühle, wie Motivation und Leidenschaft, abfertigst, so ist das ein alarmierendes Zeichen, dass du eine Auszeit brauchst, um neue und frische Perspektiven zu erlangen.

2. Du bist schnell überwältigt.

Wenn du noch eine weitere Beanstandung, eine weitere derbe Beschwerde erhältst, sich ein neues Problem am Horizont anbahnt, eine E-Mail mit negativer Kritik dich erreicht – alles Dinge, die du sonst weggesteckt hast – und du dich fühlst, als würdest du von der ganzen Last erdrückt oder wenn das alles dir so viel ausmacht, dass du dich davon überwältigt fühlst, dann ist das ein Zeichen dafür, dass du einen gewissen Abstand von diesen Aktivitäten brauchst, um deine Realität wiederzufinden.

3. Du bist ständig abgelenkt.

Wenn es dir unmöglich ist, dich auf die Prioritäten zu konzentrieren, weil zu viele verschiedene Anfragen dich erreichen, ist das ein diskretes Zeichen, aber doch eines, was du berücksichtigen solltest.

Solche Anzeichen begrenzen sich nicht ausschließlich auf deine ehrenamtliche Arbeit. Es schleicht sich auch in dein persönliches oder berufliches Leben ein. Wenn in der Familie dann auch noch finanzielle oder gesundheitliche Probleme auftreten, so bist du nicht optimal physisch, wie psychisch aufgestellt, um mit der nötigen Konzentration an die Probleme heranzugehen. Ideal ist es bei den ersten Anzeichen von erhöhter Ablenkung dafür zu sorgen, dass du dir Zeit für dich einplanst, um deine Energie wieder zurückzugewinnen.

4. Dein Beitrag ist minimalistisch.

Du bist präsent und arbeitest viel, aber dein Nutzeffekt ist gering. Am Ende des Tages bist du müde und ausgelaugt, aber du hast nicht das Pensum erledigt, das du noch vor Monaten ohne Weiteres geschafft hast.

Wenn du nicht willst, dass dein Beitrag kleiner ist als gewöhnlich, dann musst du vorher die Reißleine ziehen und eine Auszeit einlegen, um dich wieder neu aufzustellen.

5. Deine Beziehungen leiden darunter.

In welchem Zustand befinden sich deine wichtigsten Beziehungen? Wie sieht dein Familienleben aus, wie ist dein Umgang mit guten Freunden?

In jeder Familie treten immer mal Probleme auf, die eine gemeinsame Lösung verlangen. Das ist manchmal schwierig anzugehen, wenn du keine Zeit und keine Motivation hast und wenn du die Lösungssuche immer wieder in eine ferne Zukunft verschiebst. Sei dir bewusst: deine Familie sollte immer Vorrang vor deinem Ehrenamt haben.

Warte nicht länger! Selbst einige Tage abschalten können bereits einen großen Unterschied ausmachen, wenn du dich auf die eigentlichen Probleme konzentrierst. Eine ernsthafte Auszeit hängt nicht von der Anzahl der Tage ab, sie hängt davon ab, was du während diesen Tagen tust.

Das ist ein wichtiges Konzept. Wenn du etwas Zeit benötigst, dann füll sie nicht auf mit wälzen von Problemen. Investiere Zeit in Nachdenken und ehrliche Gespräche über die Probleme, die dich beschäftigen.

5 Fragen zum Nachdenken über eine Auszeit.

Und wenn du nach einer Pause wieder zurück bist und du fühlst dich nicht ausgeruht und konzentriert, wenn deine Akkus nicht voll aufgeladen sind, deine Leidenschaft noch nicht brennt und du bist wiederum schnell überlastet, dann war eine gewisse Zeit Abstand nehmen nicht die richtige Antwort. Das wäre dann der Moment, wo du deine gesamte Einstellung zum Leben, zur Arbeit, zur Familie und zum Ehrenamt überdenken müsstest. Dann benötigst du eventuell auch einen professionellen Coach oder Berater.

Hier findest du einige hilfreiche Fragen, die dich zum Nachdenken bewegen sollen, für den Fall, wo du Zweifel hast.

  1. Achtest du auf deine körperliche Verfassung? Was müsstest du ändern?
  2. Bist du überzeugt, dass es die richtige Organisation, der richtige Verein ist oder ob es der richtige Arbeitgeber oder die richtige Karriere für dich ist?
  3. Hast du gute Freunde, mit denen du dich regelmäßig triffst und die offen und ehrlich sind?
  4. Wann war das letzte Mal, wo du eine tiefe, innere Freude oder Frieden in dir gefühlt hast? Beschreibe diesen Umstand.
  5. Hast du ein Hobby, das dir sehr am Herzen liegt, was du aber aus Zeitmangel vernachlässigst, was dir aber Freude und Genugtuung bringen könnte, ohne dich zusätzlich zeitlich zu belasten?

Wohlüberlegte, ehrliche Antworten geben dir klare Einsichten auf entsprechende Fragen und führen nach einer Auszeit wieder zu einem gesteigerten Lebensgefühl.

Ich schließe mit folgenden Worten von Erhard Horst Bellermann:

Gönne dir mal eine Auszeit und vermeide auch den Hausstreit.

Giere nicht nach Katastrophen, denn das tuen nur die Doofen.

Erhard Horst Bellermann

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Bild von olesinski auf Pixabay

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