Schätzen wir wirklich die Schönheiten, die uns umgeben?

Schätzen wir wirklich die Schönheiten, die uns umgeben?

Ich habe mir die Frage gestellt, ob unser Lebensrhythmus es noch zulässt die Schönheiten, die uns umgeben, schätzen zu können. Der Auslöser für diese Frage ist eine Geschichte, die sich im Jahre 2009 abspielte.

An einem kalten Januar morgen spielte ein Mann im Eingangsbereich einer U-Bahnstation, während einer Stunde, sechs Stücke von Bach auf seiner Violine. Während der Zeit gingen ungefähr 2000 Leute durch diese Station. Die meisten von ihnen waren auf dem Weg zur Arbeit.

Nach fünf Minuten bemerkte ein älterer Mann, dass ein Musiker in der U-Bahnstation spielte. Er verlangsamte seinen Schritt, blieb sogar für einige Sekunden stehen, beschleunigte dann aber um in seinem Zeitrahmen zu bleiben.

Weitere fünf Minuten später bekam der Musiker sein erstes Geldstück. Eine Frau warf das Geld im Vorübergehen in die Schutzhülle der Violine. Kurze Zeit später lehnte sich ein junger Mann gegen die Mauer, um dem Musiker zuzuhören. Dann sah er auf die Uhr und ging weiter.

Am Ende von 45 Minuten waren nur sechs Leute stehen geblieben und haben bis zu einigen Minuten zugehört. Ungefähr 20 Leute gaben während dem Vorbeigehen Geld. Als er nach einer Stunde aufhörte, herrschte Stille, was aber niemandem aufzufallen schien. Es gab keine Anerkennung und ungefähr 30 € in bar.

Niemand wusste, dass der Violinist Joshua Bell war – einer der größten Violoncellisten der Welt. Joshua Bell spielte eines der komplexesten Stücke, das je geschrieben wurde auf einer Violine, die mehr als 3 Millionen Euro wert war.

Wir sollten Schönheit zu schätzen wissen.

Es war ein Experiment der Washington Post. Du kannst dir das Video hier ansehen. Es ging darum das Wahrnehmungsvermögen, die Vorlieben und Prioritäten der Leute herauszufinden. Dabei werden verschiedene Fragen aufgeworfen:

  • Können wir in einem öffentlichen Umfeld, zu einer ungeeigneten Uhrzeit, die Schönheit, die uns umgibt, erkennen?
  • Wenn ja, bleiben wir stehen – auch nur für einen Moment – um es zu schätzen?
  • Erkennen wir das Talent in einem für uns unerwarteten Zusammenhang?

Eine mögliche Schlussfolgerung dieses Experiments könnte sein, dass wenn wir nicht einmal einige Minuten Zeit in unserem Leben haben, um stehen zu bleiben und einem der größten Musiker der Welt zuzuhören, der eine der besten je geschriebenen Kompositionen spielt, auf einem der schönsten Instrumente das je erschaffen wurde, wie viele andere Dinge werden wir verpassen durch unsere Eile?

Das ist der Hauptfehler der meisten Menschen, dass sie den Zeitvertreib höher schätzen als die Zeit.

Wir sollten alle bewusster durchs Leben gehen. Ich nehme mir für heute vor, bei der ersten Rose, die ich sehe, stehen zu bleiben, sie zu bewundern und ihren Geruch zu schätzen.

Was oder wen willst du heute schätzen?

Lege kein Wert auf die, die dich nicht zu schätzen wissen.

Tarik Özbay

Herzliche Grüße,

Charles

https://charlesbrueck.com

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